Die Romantiker.
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Eine kleine Gruppe von Dichtern hing am getrimmten Mittelalter mit durchaus ehren-werter Aufrichtigkeit. So verherrlichte Baron Friedrich de la Motte Fouqus (1777—1843),ein Nachkomme vertriebener Hugenotten, sowohl das nordische Reckentum, als auch das Feudal-wesen und Rittertum, — wie er beide eben verstand, — in der Trilogie „der Held des Nor-dens", im Roman „der Zauberring" und in dem lieblichen Märchen „Undine", welches alleinihn überlebt hat. Im Hange zum Nordischen, aber gänzlich ohne reaktionäre Neigungen istihm der, sich an Schiller lehnende, vielfach deutsch dichtende Däne Adam Öhlenschläger(1779—1850) verwandt, welcher in allen dichterischen Formen zwar dem romantischen Geistehuldigte, namentlich im Drama (Hakon Jarl u. a.), aber dessen Verirrnngen zu meiden ver-stand. Wackeres Streben, das aufgegebene Epos in seiner alten Form zu neuem Leben zu er-wecken, bekundete Ernst Schulze (1789—1817) in der vergessenen, die Bekehrung des Nordens ^znm Christentum besingenden „Cäcilie" und in seiner, wegen ihrer tadellosen Sprache nochheute geschätzten „bezauberten Rose". Neben diesem selbst im Epos vorwiegend lyrischen Dichter-ist als der ohne Zweifel bedeutendste Lyriker der romantischen Schule Josef von Eichen-dorff (1788—1857) zu nennen, ein Schlesier, der zwar in seinen Dichtungen den katholischenEdelmann nicht verleugnete, aber in wundersam ergreifender Weise die Natur vergeistigendmalte. In Grabessehnsucht und lebenssattem Liebesschmerz schwelgte die elegische Muse desschwäbischen Dichters Justinus Kerner (1786—1862), der als Arzt in Weinsberg lebte.
Ein echtes, recht ihrem innersten Wesen entsprungenes Erzeugnis der romantischen Schuleist das ihr eigentümliche Schicksalsdrama, welches die Vermessenheit hatte, mit Schillersund Goethes Schöpfungen in die Arena treten zu wollen. Diese Richtung, welche die roman-tische Schrankenlosigkeit der Phantasie soweit trieb, das Schicksal des Menschen von der Launedes Dichters abhängig zu machen, hat nur Mißerfolge zu verzeichnen. Ein Datum, einMordinstrument, ein herabfallendes Bild oder eine zersprungene Harfensaite sollte über Seinund Nichtsein entscheiden! Als Dramatiker stand am tiefsten im Banne der Verirrnngen derRomantik Zacharias Werner (1768—1823), der nach einem verwilderten Leben sich (1811)zur römischen Kirche bekehrte und als bußepredigender Mönch endete. Er leitete die Schicksals-tragödie zwar erst durch seine letzten Stücke ein, als er (1809) "auf seine historischen, aber vonMystik erfüllten Dramen „die Söhne des Thals", welches den Untergang der Tempelherrenbehandelt, die „Weihe der Kraft", ein Lutherstück, „Attila" und „Kunigunde", die GattinKaiser Heinrichs II. (I. S. 165, 183), das gräßliche Schauer-Trauerspiel „der 24. Februar"folgen ließ, in welchem ein aus der Fremde heimgekehrter, reich gewordener Sohn auf einsamemAlpenpasse von seinen ihn nicht erkennenden Eltern aus Habsucht ermordet wird. AdolfMüllner (1774—1829) folgte ihm mit der Tragödie „die Schuld", in der freilich die Schuldgar nicht das Entscheidende ist, die aber an allen Theatern zur Aufführung gebracht wurde.Freundlicher muten die sanft melancholischen und in der Sprache melodischen SchicksalsstückeErnsts von Houwald (1778—1845) an, in welchen nicht irgend ein Nebenumstand, sondernvielmehr der Charakter der Personen das meiste zum traurigen Ausgange beiträgt. Auch derÖsterreicher Franz Grillparzer (1791—1872) begann seine dramatische Laufbahn (1816)mit dem spukreichen Schicksalsdrama „die Ahnfrau", wandte sich aber später dankbareren Stoffenzu. Er hat in seiner „Sappho", „Medea" und in einer schönen Darstellung der Sage von Heround Leander in „des Meeres und der Liebe Wellen", wertvolle und edle Dichtungen hinterlassen,welche nach seinem Tode mehr gewürdigt worden sind als zu Lebzeiten des Dichters. Mit dieserdramatischen Richtung sind die Feen- und Zauberstücke des unglücklichen Wieners FerdinandRaimund (1790—1836) verwandt, der im „Verschwender", im „Alpenkönig und Menschen-feind" und anderen Stücken noch immer beliebte, tief sittliche und gemütvolle Seelengemälde schuf.
Die echten Romantiker, mit denen hier einige Dichter zusammengestellt sind, die ihremWesen nach zu ihnen gehören, obwohl sie teilweise über ihre eigentliche Zeit und RichtungHinausreichen, haßten Schiller und verehrten Goethe. Warum? Schiller liebte den Tag,Goethe sehr oft die Nacht; jener war sonnenklar, dieser allzuviel dem mystischen Mondenscheinzugethan, wie seine Gespensterballaden, die Walpurgisnacht und Hexenküche seines „Faust"sattsam zeigen. Goethe hatte in diesen Schöpfungen unwillkürlich der Romantik vorgearbeitet,