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Zweiter Band.
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Die Reformen des Freiherr» vom Stein. Neubildung des Heeres.

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Die Hauptrolle in dein großen Werke der Erhebung Deutschlands mußte jedoch der Staatauf sich nehmen; Preußen war es, das nach seinen furchtbaren Niederlagen damit den An-fang machte. Die königliche Familie hatte nach Ostpreußen, bis an die russische Grenze fliehenmüssen; das Unglück ihres Landes brach der edlen Königin Luise (1810) das Herz. VonFranzosen überschwemmt, war das Königreich weit tiefer gedemütigt, weit härter geknebelt, alsÖsterreich nach Austerlitz. Aber obwohl der Hälfte seines Umfanges beraubt, ging es trotzdemmit seltener Kraft an seine gewaltige Aufgäbe. Freiherr Heinrich Friedrich Karl vom Stein(1757—1831), der letzte seines Stammes, aber „des Guten Grundstein, der Ehre Eckstein,aller Deutschen Edel-stein", wie ihn seineZeitgenossen nann-ten, ein Staatsmannoon einem freien undweiten Blick, wie eswenige gab, begannals preußischer Ministerseit dem Jahre 1807 eineReformthätigkeit, lote sieseit Friedrich dem Großenund Josef II. in Deutsch-land nicht mehr erlebt wor-den war. Die Schrankender Erbunterthänigkeit undLeibeigenschaft fielen.

Die Städte erhielten durchdie Städteordnung vomJahre 1808 ihre innereGemeindefreiheit und diefreie Wahl ihrer Behörden,deren oberste nur vomStaate zu bestätigen waren.

DerZunftzwang wurde auf-gehoben. Die Orga-nisation der Staats-behörden empfingeinheitlichen Charak-ter irnd Zusammen-hang; die Wähl-barkeit der Beamten

hing fortan von Fähigkeit und Verdiensten ab. Die Provinzen erhielten ihre Ständeversamm-lungen; Steins Gedanke eines Reichsständehauses blieb indes noch unausgeführt. All diesgeschah, während das Land von schamlos raubenden Franzosenhorden besetzt war, für deren Er-pressungen sogar durch Verkauf von Domänen Ersatz zu schaffen versucht werden mußte.

Wie Stein den Staat, so erhoben Gebhard Johann von Scharnhorst (1756—1813)und August Wilhelm, Graf Neithardt von Gneisenau (1760—1831) das Heer aus seinerErniedrigung zu neuer Ehre. Auch hier schwanden die Rücksichten auf Geburt und Dienstalter;die Werbungen und die entehrenden Strafen hörten auf; es wurde der Grund zum heutigen „Volkin Waffen" gelegt. Zugleich begründete Karl von Clausewitz die neuere deutsche Kriegswissenschaft.

Aber auch den geistigen Interessen wurde gerechte Berücksichtigung zu teil. Das Jahr1810 brachte die Stiftung der Universität Berlin; ein Jähr später wurde die veraltete Hoch-schule von Frankfurt an der Oder auf einen neuen, fruchtbareren Boden, nach Breslau verlegt.Eine sittliche'Wiedergeburt vollzog sich ganz im stillen. In keinem zweiten Falle ist ein

Anschlag der Städteordnung von 1808.

Erzrelief von Hagen am Denkmal des Freiherr» vom Stein zn Berlin.

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