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Sechstes Buch. III. Fremdherrschaft und Romantik.
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Eröffnung des ersten westfälischen Landtages.
Erzrelief von Hagen am Denkmal des Freiherr» vom Stein zu Berlin.
Volk so in sich gegangen; niemals hat eine Nation in der Herzenserneuerung so hohe Kraftgefunden, sich auch ihr äußeres Schicksal wieder anders zu gestalten. Allein noch war es zueiner Erhebung zu früh.
Als Stein in seiner Aufrichtigkeit und Beharrlichkeit auf eine Bewegung gegen die Landes-feinde hinarbeitete, mußte einem Befehle des erbitterten Weltherrschers zufolge der ängstlicheKönig Friedrich Wilhelm III. den geächteten Retter seines Landes, „ls nomms Stein", entlassen.Aber nach der schwächlichen Zwischenregierung Altensteins setzte der Freiherr von Hardenberg,wenn auch in gemäßigterer Weise, Steins Reformen fort. Er führte die Gewerbefreiheit, sowiedie Gleichheit aller Staatsbürger vor dem Gesetze ein.
In Österreich entfaltete, nachdem das Reich im Frieden von Preßburg (1805) zerstückeltworden war, der Graf Johann Philipp von Stadion eine ähnliche Reformthätigkeit. Auchdies Land bereitete sich auf neue Kämpfe vor, zu welchem Zwecke die regierenden Kreise eineliberale Maske anlegten. Friedrich von Gentz und Friedrich Schlegel, der politische und derlitterarische Romantiker, agitierten in diesem Sinne vom Hauptquartiere des wackeren Erz-herzogs Karl aus, der, wie sein volkstümlicher edler Bruder, Erzherzog Johann, es mitdem Reformwerk durchaus ehrlich meinte. Allgemeine Begeisterung erhob sich, und auch nachDeutschland wurden Aufforderungen zur Volkserhebung gesandt. Der Widerstand Spaniensgegen Napoleons Gewaltherrschaft trug nicht wenig zur Verbreitung ähnlicher Gesinnungenunter den Deutschen bei. Nur im Rheinbünde war die Einschüchterung durch die Franzosen,die Verblendung durch ihre freisinnigen Phrasen und das Mißtrauen gegen das seit Josefs II.Tod bis vor kurzem übermäßig reaktionäre Österreich zu groß, als daß eine Wirkung zuverspüren gewesen wäre. Die Fürsten dieses Sklavenbundes eiferten gegen „demagogischeUmtriebe", und ihre Soldaten ließen sich willig für die Zwecke des bewunderten Feldherrnmißbrauchen. Österreichs Hoffnungen wurden daher getäuscht; zum zweitenmal überschwemmtendie Franzosen mit ihren Vasallen die Donaulande (1809), und aufs neue wurde Österreichtrotz tapferster Gegenwehr verkleinert. Jetzt warf die Regierung die liberale Maske ab. Um-sonst verblutete das treue Tirol in heldenhaftem Kampfe für eine undankbare Dynastie: eswurde zwischen Baiern und Italien geteilt; der herrliche Bolksmann Andreas Hofer fiel am20. Februar 1810 in Mantua als ein weiteres Opfer korsischer Blutrache, dem FriedrichStaps aus Naumburg, welcher in Schönbrunn den Sieger tödlich zu treffen versucht hatte,vorangegangen war.
Endlich aber gelang es dem im Jahre 1808 zu Königsberg entstandenen Tugendbunde,den Geist des berechtigtsten Widerstandes auch nach dem Westen Deutschlands zu verbreiten.Kühne Parteigänger erhoben die Fahne des Vaterlandes, so in Westfalen Katt und OberstDörnberg, der den König Jerome gefangen nehmen wollte; freilich kamen sie gegen dieSchergen Frankreichs nicht auf. Mehr Erfolg hatte der kühne Major Ferdinand von Schilt;aber er fand in Stralsund am 31. Mai 1809 den gesuchten Heldentod; elf seiner Offiziere