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Zweiter Band.
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Die Malerei des neunzehnten Jahrhunderts. 443

leistete; Karl Sohn, der sich in süßlichen Frauentypen gefiel, in der Darstellung nackter Körperaber sehr glücklich war und vermöge der ihm eigenen eleganten koloristischen Behandlung dieTechnik der Künstler, deren Lehrer er war, wesentlich förderte; endlich Eduard Bendemann,der teils einer gewissen sentimentalen Stimmung folgte, teils aber bedeutende Ideen und welt-geschichtliche Momente in großartigen Kompositionen behandelte; so im „Jeremias auf denTrümmern von Jerusalem" und in der „Wegführung der Juden in die babylonische Gefangen-schaft", Monumentalmalereien, deren Gedankenreichtum, klare Anordnung, vortreffliche Zeichnungund Harmonie in der Farbe ungeteilter Anerkennung wert sind. In der Landschaft gelangteWilhelm Schirmer (1807—1863) zu leitendem Einfluß. Gewissenhaftes Naturstudium istdie Grundlage seiner mit großer Sicherheit zu hoher Vollendung durchgebildeten Gemälde; andem deutschen Walde, den er vielfach malte, hing er mit besonderer Liebe, die volle Kraftseiner Begabung aber bekunden seine biblischen Landschaften. Zu seinen Schülern gehörenzwei der fruchtbarsten Landschaftsmaler unserer Gegenwart: Oswald und Andreas Achenbach.

Das humoristisch-satirische Element fand in der Malerei seine Vertreter in AdolfSchrödter und Johann Peter Hasenclever; das ernste realistische Sittenbild Pflegte KarlHübner, das volkstümliche Genre Eduard Meyerheim. Mit gewaltiger dramatischer Kraftdrückte sich Alfred Rethel (1816—1859) in seinen markigen, eines herben Zuges nicht ent-behrenden, zumeist dem frühen deutschen Mittelalter entnommenen Bildern aus; auch schuf er1848 einen ergreifenden modernen Totentanz. „Zum Herzen des Volkes fanden den Weg"der Wiener Moriz Schwind (1804—1871), der zauberische Maler des Märchens und derSage, und der aus dem Familien- und Volksleben selbst schöpfende Dresdener Ludwig Richter(1803—1884), der gemütvolle Maler des Kleinbürger- und Kinderlebens. Mit einer ganz eigen-artigen kraftvollen Begabung ausgerüstet, trat um 1835 Adolf Menzel (geb. 1815 in Breslau)hervor. Die preußische Geschichte und namentlich die Zeit Friedrichs des Großen war zunächstsein bevorzugtes Gebiet, auf dem er sich durch Zeichnungen und Gemälde von großer histo-rischer Wahrheit und packender Wirkung auszeichnete. Dann ging er zur Darstellung desmodernen Lebens über, das er höchst geistvoll zu erfassen und mit aller Treue in den Einzel-heiten meisterhaft zu malen weiß. Unter den vorzüglichsten Werken des echt deutschen Meisterssteht durch die Gewalt der Charakteristik und die lebensvolle Auffassung das „Eisenwalzwerk",ein Bild, das die modernen Cyklopen bei ihrer Arbeit schildert, obenan.

Seit der Mitte unseres Jahrhunderts erhob sich eine neue Malerschule mit dem Bestreben,sich „entweder von dem Drucke der geschichtlichen Entwickelung völlig frei zu machen oder dochaus der organischen Verbindung des antiken und romantischen Ideals ein neues modernesIdeal zu gewinnen". Der Münchener Karl Piloty (1826—1886) war Kaulbachs Nachfolgergeworden; er besaß einen starken Zug für geschichtliche Treue, der in allen seinen Historienbildernin der Auffassung der Figuren wie in der Zeichnung jedes Beiwerkes hervortrat und in Ver-bindung mit einer etwas theatralischen Haltung der Komposition das eigentlich künstlerischeElement seiner Werke schädigte. Seine größten Erfolge hatte er mit „Nero auf den TrümmernRoms" und „Thusnelda im Triumphzug des Germanikus". Piloty war ein energisches Gefühlfür die Farbe und ein großes Lehrtalent eigen, was dazu führte, daß von ihm die „Kolo-risten" ihren Ausgang nahmen, deren größtes Genie sein Schüler, der Salzburger Hans Makart(1840—1884), der Künstler des sinnlichen Elementes, geworden ist. In seiner phantastischen„Pest in Florenz", den farbenglühenden „Abundantia-Bildern" und in der prächtigen, durchschöne Komposition ausgezeichneten „Huldigung der Katharina Cornaro" offenbart sich die ganzezauberisch anziehende Kraft seiner Begabung. Ein weit edlerer Künstlercharakter ist AnselmFeuerbach (1829—1880), den das reine Streben erfüllte, in seinen Bildern die Poesie fest-zuhalten. Die Grundstimmung seiner Kunst ist eine heitere Natürlichkeit. Am höchsten erhober sich in seinem durchaus poetisch erfaßten „Gastmahl des Plato". Neigte Feuerbach entschiedenzum Klassischen hin, so ist ein kräftiger romantischer Zug wirksam in Gabriel Max (geb. 1840),dessen Kunst in Gestalten lebt, die, wie in „Christus vor Jairi Töchterlein", von einem ge-heimnisvoll gestimmten Seelenleben erfüllt sind, und in Arnold Böcklin aus Basel (geb. 1827),der losgelöst von jeglicher Anlehnung in seinen groß empfundenen Landschaften und kühn