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Zweiter Band.
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Sechstes Buch. VI. Kunst und Dichtung der neuesten Zeit.

Die Photographie. Erzrelief von Fr. Drake am Denkmal Beuths von Kiß zu Berlin.

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ersonnenen wunderbaren Fabelwesen, so im „Großen Pari", in den „Gefilden der Seeligen"und anderen tiefbeseelten Bildern, die geistvollsten Poesien der Malerei geschaffen hat. Unterden Malern, die als Naturalisten im Volksleben und in der Natur die Poesie aufsuchen undin ihrer Kunst darstellen, sind namentlich der Schweizer Benjamin Vautier (geb. 1829), derRheinländer Ludwig Knaus (geb. 1829), der Tiroler Franz Defregger (geb. 1835) und derSachse Fritz Uhde (geb. 1844) zu nennen. Mit liebevoller Vertiefung, großer Innerlichkeitund gesunder Kraft malen diese Meister das deutsche Volk bei seinen Festen, wie bei seinerWerktagsarbeit, daheim im Hause, wie draußen in den Bergen und auf den Feldern, in seinenFreuden und in seinen Leiden.

In die vervielfältigenden Künste hat der in München thätige Böhme Alois Senefelder(1771—1834) am Ende des vorigen Jahrhunderts die von ihm erfundene Lithographieeingeführt, die lange Zeit dem Kunstbedürfnis weiter Kreise fast ausschließlich gedient hat undnamentlich auch dem Porträtfach sehr zu statten gekommen ist. Den Holzschnitt belebtenaufs neue die beiden Unger und Gubitz in Berlin, sowie Blasius Höfel in Wien; durchdiese Technik fanden die gefühlswarmen, humorvollen Zeichnungen Ludwig Richters ihre weiteVerbreitung. Überhaupt wurde der Holzschnitt ein großartiges Mittel der Bücherillustrationund der Popularisierung von Werken der höheren Kunst. Ruhiger entwickelte sich der Kupfer-stich, dessen bedeutendste Meister der neueren Zeit Gotthard von Müller (1747—1830),Adam Bartsch (1756—1818) und Karl Heinrich Rahl (1779—1843) waren. Die naza-renische Malerschule gab ihm eine neue Wendung in zeichnerischer Richtung, deren Extrem derreine Umrißstich wurde. Auch wirkten der französische und italienische Kupferstich auf dendeutschen ein. Das erste deutsche Atelier für den Stahlstich gründete 1824 Karl Frommel.Die Radierung, welche lange brach gelegen hatte, förderten Klein, Erhard, sowie mehrereder oben genannten Maler. Endlich ist die Photographie in den Wettbewerb der verviel-fältigenden Künste eingetreten und erzeugte in Verbindung mit ihnen die Photolithographie,den Lichtdruck, die Hoch- und die Tiefätzung (oder Phototypie und Heliographie) in Zink- undKupferplatten.

Die Plastik war in Verfall geraten. Zur Natur und zu den antiken Vorbildern führtesie Johann Gottfried Schadow (1764—1850), der Vater der beiden Maler, zurück. Erwurde der Schöpfer vieler Statuen und Büsten, die sich durch eine gesunde realistische Auf-fassung auszeichnen und unter denen eine herrliche Marmorgruppe der Königin Luise mit ihrerSchwester als ein Werk von hohem künstlerischen Reiz hervorragt. Der Kunstsinn KönigLudwigs I. von Baiern hatte sowohl der Plastik wie der Baukunst eine Menge Anregungen