Die Bildhauerei. Die Baukunst.'
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geboten. An der Ausführung derselben auf dem Gebiete der Skulptur war vorwiegend LudwigSchwanthaler (1802—1848) thätig. Seine Phantasie war von unerschöpflichem Reichtumund da er auch mit leichter Hand arbeitete, so konnte er trotz der kurzen Dauer seines Lebenseine Menge schöner Werke vollenden. Die Walhalla, die bairischen Königsschlösser und Münchenenthalten viele Statuen, Reliefs und Denkmäler von ihm. Eins von Schwanthalers schönstenWerken ist der für König Max II. ausgeführte Tafelaufsatz mit den Gestalten des Nibelungen-liedes. In allen war ein feiner Geschmack und ein hoch ausgebildeter Sinn für die Formlebendig. Unter seinen Schülern ist Friedrich Brugger (1815—1870) zu nennen, in dessenmythologischen Gruppen Realismus und Idealismus sich zu versöhnen suchen. Als ein Werkder Begeisterung für die Größe des Vaterlandes schuf der Ansbacher Ernst Bändel (1800 bis1876) mit Aufopferung seines Vermögens das kolossale Arminstandbild auf dem TeutoburgerWalde bei Detmold. Wesentlich in patriotischem Geiste wirkte in Berlin der Bildhauer ChristianRauch (1777—1857); sein herrliches Marmorgrabmal der Königin Luise, sein imposantesReiterstandbild Friedrichs II. sind Werke von großartiger Gestaltungskraft und vortrefflicherDurchbildung. Eine Gruppe von ebenso großer Popularität schuf sein Schüler Ernst Rietschel(1804—1861) in dem Doppelstandbild Goethes und Schillers zu Weimar. Diese Zeit warnicht arm an bedeutenden Bildhauern. August Kiß führte mehrere schöne Denkmäler ausund 1839 das anziehende Bronzewerk mit der gegen einen Panther kämpfenden Amazone.Reinhold Vegas meißelte 1859 den Pan, wie er die verlassene Psyche tröstet; JohannesSchilling begründete durch seine fein und poetisch empfundenen Gruppen an der BrühlschenTerrasse in Dresden den Ruhm, den er später in dem Nationaldenkmal auf dem Niederwaldbewährte. Friedrich Drake in Berlin und Ernst Hähnel in Dresden führten viele trefflicheStatuen und Reliefs von großer Schönheit aus.
Die deutsche Malerei und Plastik hat im neunzehnten Jahrhundert ohne Zweifel eineglänzende Entwickelung durchlaufen. Wo dieselbe ihren Anfang nahm, in der Wiederbelebungder alten griechischen Kunst, da hatte auch die Architektur eingesetzt, um für ihre Werke sichneue künstlerische Befruchtung zu holen. Die Baumeister von Berlin gingen damit voran. DieLeitung der Kunstakademie der preußischen Hauptstadt pflegte und förderte die Liebe zu denFormen, in denen die Griechen gebaut hatten. Der erste, der die daraus gewonnenen Ideenin Werke umsetzte, war Karl Friedrich Schinkel (1784—1841), der Erbauer des Museumsund des Schauspielhauses in Berlin. Sein Studiengenosse Leo von Klenze (1784—1864)wurde von König Ludwig I. nach München gezogen, wo sich ihm ein großartiges Schaffeneröffnete. Dort erstanden, durchaus den hellenischen Vorbildern folgend, die Glyptothek, diePinakothek und bei Regensburg, hoch über der Donau, der edle, schöne Marmorbau derWalhalla: eine Nachbildung des Parthenons zu Athen, in welcher der kunstsinnige BaiernkönigDeutschlands Ruhm und Größe ein herrliches Denkmal errichtet hat. Auch Friedrich Gärtner(1792—1847) hat für die architektonische Gestaltung Münchens viel geleistet; die neue Bibliothekmit ihrem prächtigen Treppenhause und die Universität sind von ihm erbaut. Die Fortbildungdes Baustils im Sinne der Überleitung zu national deutschem Charakter ist durch Gärtnerwesentlich gefördert worden. Darin ging weiter der geniale Gottfried Semper (1803—1879),der als Reformator in der Baukunst auftrat und der einfach edlen Antike die malerische undfarbig bemalte Renaissance entgegensetzte. Er begann seine Wirksamkeit als Professor inDresden, wo er die Synagoge und das Theater erbaute. Später siedelte er nach Zürich über;hier errichtete er das großartige Polytechnikum und mehrere andere hervorragende Monumental-bauten. Auch als Kunstschriftsteller war Semper vielfach thätig und als Lehrer am ZüricherPolytechnikum wurde er von weitreichendem Einfluß.
Ein so bedeutender Aufschwung der Architektur regte auch den Sinn für die mittelalter-lichen Baudenkmäler an, die im Laufe der langen Kriege nicht gepflegt worden waren, aberschwer gelitten hatten und vielfach dem Verfall entgegen gingen. Der Bau des Kölner Domsstockte schon seit dem Anfange des sechzehnten Jahrhunderts. Erst als die rheinische Haupt-stadt im Frieden von 1814 an Preußen gefallen war, trat eine geregelte Sorge für dieWiederherstellung und Wetterführung des herrlichen Doms ein, der im Jahre 1880 vollendet