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Zweiter Band.
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Spiritismus. Pessimismus uud Materialismus.

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Titel „Parerga und Paralipomena" im Jahre 1851 herausgegebenen geistreichen Gedanken,welche seine Lehre erst weiteren Kreisen zugänglich machten.

Der Pessimismus Schopenhauers erlangte namentlich in den fünfziger Jahren großenAnhang, besonders durch den Eifer seines Apostels Julius Frauenstädt. Wie das litterarische„junge Deutschland" zwanzig Jahre vorher in poetischer, so wurden jetzt die Gebildeten deswirklichen jungen Deutschlands in philosophischer Beziehung blasiert. Der durch das gesell-schaftliche und politische Elend genährte Selbstmord wurde, obschon ihn Schopenhauer selbstverworfen hatte, durch die unphilosophische Lebenssatthcit und den Lebensüberdruß um zahlloseOpfer bereichert.

Der bedeutendste Vertreter der Philosophie im pessimistischen Sinne ist Eduard vonHartmann (geb. 1842) durch seine „Philosophie des Unbewußten" geworden. Der Nameseines „Absoluten" ist womöglich noch unglücklicher gewählt als die von Schopenhauer an-genommenen Bezeichnungen. Das vielgelesene, obschon in schreiendem Mißtone mit Zerstörungaller Ideale und Empfehlung allgemeiner Vernichtung endende Buch steht weit unter seinesVerfassers ausgezeichneten religions- und sozialphilosophischen Schriften, in denen er dieHumanität an die Stelle des Pessimismus setzt.

Die pessimistische Richtung hängt eng zusammen mit dem sich immer mehr ausdehnendenUmfang aller größeren Städte. Die Baulust in ihnen, die Vergrößerung und Verschönerungdieser steinernen Ameisenhaufen nimmt riesenhafte Dimensionen an. Die idyllischen Städtchenund das ruhige Landleben werden verlassen; alles, was „sein Glück machen will", strömt denvolkreicheren Städten zu, in welchen sich ein unruhiges Lärmen und Treiben entwickelt hat.Die Eisenbahnen, die unser Verkehrswesen beherrschen, haben hier ihre Mittelpunkte. Zu demfieberhaften Rennen und Jagen in den Stunden des Abgangs und der Ankunft von Zügen,dem Pfeifen und Zischen der Lokomotiven, dem Rollen und Stoßen der Wagen, dem Gedrängeder Bahnhöfe, kommt das Wagengerassel und Peitschenknallen in allen Straßen, das Feilen,Hämmern Und anderer Lärm von Handwerkern, das Geräusch der Fabriken mit ihren zahllosenMaschinen jeder Art, das Klavierspielen in fast allen Häusern, das Rufen, Drängen undStreiten auf den Gassen, vor Wirtschaften, Vergnügungslokalen und Theatern, die aufregendenBerichte der Tagesblätter über Morde, Selbstmorde, Hausfriedensbruch, Gaunerstreiche undSkandale aller Art. Auch in vielen von den sogenannten Sommerfrischen, in Bade- und Kur-orten, an Touristensammelplätzen, wo man Ruhe zu finden glaubt oder dies wenigstens be-hauptet, gestaltet sich das Leben oft weit mehr anstrengend als die Erholung fördernd. Manchedieser Plätze in den Bergen und an der See erfüllen keinen anderen Zweck als den einerMode, die namentlich nach der Schweiz, den Rheinlanden, nach Böhmen und Oberösterreichalljährlich viele Tausende von erholungsbedürftigen Großstädtern führt. Für Kranke, namentlichfür Bruftleidende sind Heilanstalten außerhalb der Städte entstanden und sogar Winterkurorte.Natürlich fehlen an solchen Orten auch Abenteurer nicht. Die Rastlosigkeit, die große An-spannung aller Kräfte, die viele im harten Kampfe um ein arbeitsvolles Dasein aufbietenmüssen, und im schroffen Gegensatz dazu auch die Folgen der weitverbreiteten Sucht nachmühelosem Wohlleben und üppigem Genießen sind Quellen der viel beklagten, wenn auch oftnur erheuchelten Nervosität unserer Zeit. Sie gerade ist vorzugsweise geeignet, dem Pessi-mismus neue Nahrung zuzuführen. Aber ebenso sehr nährt dieses Treiben die andere der obengenannten Zeitrichtungen, den Materialismus.

Der Materialismus hat gar verschiedene Gestalten; er erscheint als wissenschaftliche Lehre,als moralisch-soziale Tendenz und als praktische Lebensführung. Obschon von verschiedenemWert oder vielmehr Unwert, hängen diese Erscheinungen doch unverkennbar zusammen; sie habenungefähr^ seit den vierziger, noch mehr aber seit den fünfziger Jahren Schritt vor SchrittRaum gewonnen und den Idealismus verdrängt.

Als wissenschaftliche Lehre läßt sich der Materialismus bis in die Schule Herbarts(S. 455) zurück verfolgen. Der Keim dazu lag in dessen Annahme, daß nur das thatsächlichGegebene Ausgangspunkt der Philosophie sein könne. Auch Herbarts „Allgemeine praktischePhilosophie" (1868), in welcher er die Ethik als eine Art von Ästhetik auffaßte, also den