91
„Man seufzt," fährt ein anderer Demagoge fort, „alleinschon bei dem Gedanken an diese Schauderscenen, den unver-meidlichen Folgen der durch achtzehn Jahrhunderte hin-durch geübten amtlichen und privaten Vexationen. Die Natio-nalversammlung ward durch alle diese Unordnungen zwar ineine tiefe Betrübniß versetzt, allein sie wußte, daßdieselben weniger die Vergehen des Volkes, als dieeiner tyrannischen Regierung, welche mehrereJahrhunderte lang die heiligsten Rechte mit Füßen trat,waren." ')
Nachdem sie hierauf das Volk wegen dieses ersten Er-folges, des Pfandes für so viele andere, beglückwünscht haben,besingen sie seinen Sieg also: „Die noch blutigen Ruinen derBastille waren der Heerd für diese patriotische Flamme, welchegar bald die ganze Nation umfassen und regene-riren sollte. Paris war nicht mehr dasselbe, es war eineneue Stadt und ein neues Volk.. .. Die Jugend drängtesich in Masse um die Hauptwachen der einzelnen Distrikte,und übte sich, in diesen Volks-Versammlungen dieRechte des Menschen zu discutiren und zu be-weisen. Lange Reihen von jungen Frauen und Mädchen,weißgekleidet und mit den Farben der Nation geschmückt,zogen unter dem Klänge der Trommeln und Pauken und be-gleitet von Kohorten der Bürgerinnen nach dem Tem-pel, und kamen, nachdem sie dort dem Himmel für die Er-oberung der Freiheit ihren Dank dargebracht hattet, auf dasStadthaus, um den Helden der Revolution zu huldigen.
„Die Religion selbst war zu einer Nationalsache ge-worden, und weihte diese Bürgerfeste. Der Weihrauch dampfteauf den Altären; von der Stätte der Wahrheit herab, die solange von dem Despotismus der Priester undKönige prostituirt worden war, wurden die wahrenGesetze der Natur verkündet.... Zwei Compagnien Truppen
1) Moniteur, Nr-33.