21
Von neuem anhebend, fährt der Hohepriester der Ver-nunft also fort: „Es gibt kein.en andern Cultus, keineandere Religion mehr, als die Religion derVernunftund den Cultus der Freiheit. Falle nieder vor einem großen Volkeund seinem erlauchten Senate, falle, Schleier der VernunftI"
Der Schleier fällt wirklich und läßt die Zuge der leben-den Göttin in der Person der Tänzerin der Oper offen erblichen.Das Beifallgeschrei verdoppelt stch.
Der Bürger-Präsident Laloi antwortet Chaumette wie folgt:
„Die Versammlung fleht mit der lebhaftesten Befrie-digung den Triumph, welchen die Vernunft heute über den Aber-glauben und den Fanatismus davonträgt. Sie wollte sich inMasse in die Mitte des Volkes, in den Tempel, den Ihrdieser Göttin geweiht habt, begeben, um mit ihm dieseserlauchte und denkwürdige Fest zu begehen; ihre Arbei-ten und die Nachricht von einem Siege haben sie abgehalten."')
Auf Chabot's Vorschlag wird Chaumette's Antrag sofortzum Beschlusse erhoben. Romme verlangt, die Göttin solleneben dem Präsidenten Platz nehmen. Chaumette führt sie zumBureau. Der Präsident und die Secretäre geben ihr untereinstimmigen Beifallsrufen den Bruderkuß.
Nachdem sich Alles gegenseitig den Bruderkuß gegeben undwieder empfangen hat, erneuert Thuriot seinen Antrag und derKonvent erhebt sich, um nach Notre-Dame zu gehen und dasFest der Vernunft, der man eben erst eine so sonderbare Hul-digung erwiesen hat, von Neuem zu beginnen; es war vier Uhr.
Die siebenhundert Conventsmitglieder mischen sich, mit derrothen Mütze bedeckt, unter die Menge, welche dem Wagen derGöttin vorangeht und ihm folgt. Man durchschreitet Parisvon den Tuilerien bis Notre-Dame inmitten von Freudenbezeu-gungen und Acclamationen. Die Göttin wird von Neuem aufden Altar gestellt, Jeder betet sie an und hierauf stimmtAlles die Hymne Chenier's an:
1) Monit. v. 20. Vend. des I. III.