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In der That, der Festtag der Göttin Vernunft, der10. November 1793, ist unstreitig der erniedrigendste Tag inden vierzehn Jahrhunderten unserer Geschichte. Er allein warder Zeuge einer ihrem Wesen und ihrer Form nach vollständigheidnischen Feierlichkeit oder, sagen wir lieber, nationalen Orgie.Wir müssen jetzt nur noch untersuchen, wie sich diese Scenenach achtzehuhundertjährigem Bestehen des Christenthums inmit-ten des allerchristlichsten Königreiches wiederholen konnte, wieso dieUrheber dieser Heliogabal's würdigen götzendienerischen Kundgebungnicht etwa unter dem unwissenden und rohen Volke, sondernauch in jener Klasse der Gesellschaft, die ein umfassenderer undvon frommen Lehrern geleiteter Unterricht ganz besonders vorsolchen Verirrungen hätte behüte» sollen, zu finden find.

Die Stifter des neuen Cultus begnügen sich nicht mit derPariser Demonstration, sondern lassen das Fest der Vernunftin allen Distrikten Frankreichs, von denen jeglicher seine Göttinhat, feiern. Ja noch mehr, zum Gebrauche der neuen Götzen-diener verfassen sie ein „Stundenbuch" unter dem Titel: Offi-cien derDecaden oderReden, Gesänge und Gebetezum Gebrauche in den Tempeln der Vernunft. Wirwerden später darauf zurückkommen.

Mädchen, in weißer Kleidung, mit ganz entblößter Brust und mitEichenlaub bekränzt, zogen an ihr vorüber. Das Fest verlängertesich bis in die Nacht und endigte mit einem Bürgerbanket, bei wel-chem alle Stände in einander verschmolzen. Endlich erließ im Verlaufdesselben Monats November der Convent, welcher decretirt hatte,Frankreich erkenne keine andere Gottheit als die in einer Hure per-sonificirte Vernunft, eine Erklärung des Inhalts, daß es keinen Gottgebe. Lairtnllier, kemmes ooledres, t. II. p. 228, 238. Dieswar Logik. — „Die Revolution," sagt Michelet, „trügen-dem sie zur Natur, zu den glücklichen und kindlichenAnschauungen des Alterthums zurückkehrte, kein Bedenken, dieheiligsten Verrichtungen derjenigen anzuvertrauen, die als höchsteFreude des Herzens selbst der lebende Altar ist." Hr. Michelet istnichts weniger als geneigt, sich deßhalb zu beklagen.