Band 
[1. Band.]
Seite
26
JPEG-Download
 

26

So wenig wie die Revolution selbst ist auch der Cult derVernunft aus dem Stegreife entstanden. Bevor die Vernunftin Person auf die Altäre erhoben ward, war sie bereits in denSchriften der Philosophen und auf den Lehrstühlen sehr vielerProfessoren angebetet worden. Bis zu welcher Epoche läßt sichin der modernen Zeit diese philosophische Apotheose der Ver-nunft zurückführen? Welches waren die Leute, die ihre Herr-schaft vorbereitete»? Wo sind die Männer, die dieselbe heuteaufrecht erhalten, zu finden? Im Mittelalter oder im Alter-thum? Gehen ihre Anbeter und Hohepriester auf das Mittel-alter oder das Alterthum, auf Plato oder den heiligen Thomaszurück? Diese Fragen wollen wir an die älteren und selbstnachgeborenen Söhne der Familie, an die Rationalisten undSemi-Rationalisten, zu stellen uns erlauben.

Drittes Kapitel.

Fest des höchsten Wesens.

Das höchste Wesen im Namen des Alterthums decretirt — Wasdas höchste Wesen der Revolution ist — Rede Nobespierre's —Hymnen Lebrun's, Chenter's — Beschreibung des Festes.

Am 10. November 1793 hatte die Vernunft den Gipfel-punkt ihrer Souveränetät und des von derselben gemachtenGebrauches erreicht. Alles, was wir jetzt sehen werden, ist nurdie Folge ihrer Apotheose. Man glaube nicht, daß, wenn siees für gut findet, das Dasein des höchsten Wesens und dieUnsterblichkeit der Seele zu decretiren, sie hiermit eine» Actder Unterwürfigkeit unter irgend eine Autorität vollbringe. ImGegentheile vollzieht sie hierdurch einen Act absoluter Souverä-netät. In dieser Beziehung ist der 7. Mai 1794 mit dem 10.November 1793 identisch. Der die Initiative Chaumette'ssanctionirende Convent ist eben so gut das Organ der