Band 
[1. Band.]
Seite
102
JPEG-Download
 

102

alle verschiedenen Meinungen auf diesen einzigen Zweck zurück-zuführen, den realistischen Geist zu ersticken, alle Leidenschaftenin den einzigen glühenden Wunsch, die heiligen Rechte undPflichten der Menschen und der Bürger aufrecht zu erhalten,zu verschmelzen, feiern die Franzosen heute die Souveränetätdes Volkes durch ein prachtvolles Fest.

„Bürger, Befreier der Völker, Friedensboten Europa's,Ihr scheint fast alle Triumphe erschöpft zu haben, setzt so vielenEhren durch einen noch glänzenderen Triumph die Krone auf,vervollkommnet Euch in der Kunst, die Organe Eueres souveränenWillens zu wählen. Die Geschicke der Republik tugendhaftenund ächt republikanischen Händen anvertrauen ist die höchsteStufe des Ruhmes, welche die große Nation erreichen kann.O souveränes Volk, kein Königthum, keine Dictatur! Du bistihnen feind. Du verlangst unnachstchtlich die Konstitutionvon 1795, die Freiheit, die Republik!" *)

Sinnlose Reden, lächerliche Worte, Jünglinge, die an derSpitze langer Stöcke Tafeln, auf denen antisociale Grundsätzegeschrieben sind, Greise mit weißen Haaren, welche andächtigweiße Stäbe tragen, dieselben im feierlichsten Augenblicke derCeremonie mit einem dreifarbenen Bande zusammenbinden,dieses ganze von seinen Magistraten geleitete Volk, das sichvor seiner eigenen Gottheit verbeugt und dieses ganze Schau-gepränge mit Sparta und Rom nachgeahmten Wettläufenund Ringkämpfen beschließt: o Erniedrigung der menschlichenVernunft!

Kann man hier nicht mit gutem Rechte nochmals ausrufen:Klassisches Alterthum, wohin hast du uns gebracht!

Gleichwie das souveräne Volk feierliche Feste, um dieglänzendsten Acte seiner Herrsckaft zu begeben, und wenigerfeierliche Feste, um sich im Gefühle seiner Würde zu erhalten,hatte, ebenso hatte es auch gewisse denkwürdige Apotheosen, um

1) Monit. v- 4. Beut. des Jahres VI. Siehe auch die Rede La Revel-liere's Lepaux, 28. Pluv. des Jahres VII.