104
Guyomard widersetzt sich der gleichzeitigen Abhaltung allerdieser Erinnerungsfeste an Einem Tage. „Ich unterstütze/'sagte er, „den ersten Vorschlag Boissy's, allein ich glaube, daßwir nicht an demselben Tage lachen und weinen zu gleicherZeit können." Demgemäß ward die Theilung der Feste be-schlossen; der 1l. Vendömiaire sollte der Tag zum Weinen, der10. August der Tag zum Lachen sein.
Donnerstag den 11. Vendomiaire erscheinen alle Deputier-ten in ihrem Costüm; alle tragen einen Flor um den Arm.Am Fuße der Tribune steht ein mit Flor - und Tranerkränzenbedeckter Aschenkrug; derselbe ist von Laubwerk undGuirlanden aus Eichenlaub und Cy pressen be-schattet. Ueber ihm prangt eine Palme. Auf dem Sockelsind die Inschriften zu lesen: „Sie haben ihre Geschwister,ihre Gattinnen und ihre Kinder dem Baterlandeempfohlen. — Den hochherzigen Vertheidigern derFreiheit, die während der Tyrannei in den Ge-fängnissen und auf den Blutgerüsten starben!"
Tallien betritt die Tribüne und spricht: „Bürger, ich willdie Manen der Verguiaud, der Condorcet, der EamilleDesmoulins beweinen." ') Bei diesen Worten führen dieKünstler des Konservatoriums einen Trauergesang aus. DieCeremonie wird einen Augenblick durch eine Motion Bailleul'sgegen die Factionen von Paris unterbrochen. Hierauf singt derChor eine Hymne auf die Manen der Märtyrer derFreiheit.
In Form eines Memento verliest Hardy die Namen vonsiebenundvierzig unter dem Decemviral-Beil gefallenen Opfern.Der Präsident hält eine Leichenrede, in welcher er die Dienste,Tugenden, den Muth und das tragische Ende der Märtyreraufzählt; das Fest endigt mit Märschen und verschiedenenkriegerischen Liedern. ?)
1) Monit. v. 15, Bend. des I. IV. — 2) Moiüt. ebendas.