187
darum verlangt er denn auch als eine sociale Nothwen-, digkeit, „daß man den alten Proceß von der Mehrheit der« Götter und der absoluten Einheit, sei es auch nur aus Liebezur Wahrheit, wiederum aufnehme. — Das ist eine ausge-machte Sache, beeilt ihr euch mir zu sagen, und die Zustimmungder größten Geister hat das Urtheil zu Gunsten der Einheitbestätigt. — Wenn dem aber so ist, warum fürchtet man sichdenn, alle Gründe der Vertheidigung des Für und Gegenaufzustellen? Man hat uns nur die Declamationen und diebeleidigenden Späffe der Apologeten des Monotheismus gegenden Polytheismus gelassen und die Gründe für den Letzterenl wurden nicht angehört. Die Menschen sind also für immer- verurtheilt, niemals den Gründen, welche die polytheistischen' Philosophen des Alterthumes geltend machen können, um dieVölker vor dem Einflüsse und dem Geiste der absoluten Ein-heit zu warnen, nachforschen, ja noch nicht einmal dieselbenvernehmen zu dürfen?" ')
Dieser Gedanke empört den neuen Quintus Nautius.Sachwalter so vieler großen Männer, die den Gegenstand derBewunderung seiner Jugend bildeten, Vertheidiger einer Re-ligion, deren Princip das glänzendste und stärkste der Civili-sation war, beweist er, daß die Welt sich der Undankbarkeitschuldig machte, als sie sich vom Paganismus hinwegwandten.Alles, was der Mensch besitzt, Alles, was er ist, Alles, was erin der Kunst leistet, verdankt er dem Paganismus.
Indem er diese Beweisführung noch weiter ausdehnt, willer, daß man ihm auf folgende Fragen mit Ja oder Nein ant-worte: „Verdankt das Menschengeschlecht dem Polytheismusdie Schaffung der Künste, die Erfindung der Schrift?„Verdankt es ihm die Literatur, die Wissenschaften?„Verdankt es ihm ursprünglich die Organisation dermenschlichen Gesellschaft und endgültig die Civilisation?
„Konnte der absolute und ohne Abgötterei getriebene
1) S. 46.