15
gegen die französische Republik. Wie Rom führt sie Krieg,wie Rom entfaltet sie eine schreckliche Energie, und fällt indie benachbarten Provinzen ein; wie Rom endlich führt sie,wie wir sogleich sehen werden, einen heidnischen Krieg, einenKrieg, der so lange wie sie selbst dauert.
Selbst die Revolutionsmänner verkünden, was wohl be-achtet zu werden verdient, diese eigenthümliche Ähnlichkeit, undrühmen sich ihrer selbstverständlich. „Bürger," sagt Boissyd'Anglas, „die römische Republik befestigte ihre Freiheit durchdie Siege ihrer Streiter, die gewandte Politik ihrer Consulnund die strenge Gerechtigkeit ihrer Beamten. Stets angefoch-ten und stets siegreich, unaufhörlich gereizt und immer Herrinihrer selbst, ewig durch die Verschlagenheit ihrer Nebenbuhlerbekämpft und deren Intriguen beständig vereitelnd, dientenalle Anstrengungen ihrer Feinde nur zur noch dauerhafterenBefestigung ihrer Macht, zur größeren Verbreitung ihrer Be-sitzungen und zur Vermehrung ihres glänzenden Ruhmes.
„Der französischen Republik scheinen schon bei ihremEntstehen dieselben Bestimmungen vorbehaltenzu sein. Auch sie haben zahlreiche Feinde bedroht; auch sieist von den Königen angefochten, von den Factionen in Unruheversetzt, von den Rebellen verrathen, von den Demagogentyrannisirt morden. Immer siegreich, ohne aufzuhören fried-fertig zu sein, schrecklich in ihren Kämpfen, allein immer be-sonnen nach den Erfolgen, zwingt sie ihre Feinde, ihren Muthzu bewundern und ihre Mäßigung anzuerkennen." ')
Die römische Republik hatte schon in ihrer Wiege gegendie fremden Könige und gegen die Anhänger des gestürzte»Königthums, die sie in ihrem Schooße barg, zugleich zu kämpfen;sie organistrte den Krieg nach Außen und nach Innen. Das-selbe war bei der französischen Republik der Fall. Schon inder Wiege von diesen Umständen ersaßt, ist es ihre erste Sorge,den äußeren und inneren Krieg zu organisiren. Der Geist,
1) Monit. v. 12. Fruct. des Jahres II.