158
anrufen, aus, und bald wird er die schrecklichste derselben; seinBild leitet sie in ihren Sitzungen. In diesen Tagen blutigenAndenkens, wo man bei Todesstrafe ein Zeichen patriotischerGesinnung geben muß, hält sich Jedermann für verpflichtet,auf seinem Kamine eine kleine Figur von Marat, die ihm zumBlitzableiter dient, zu besitze». Allein nicht blos das Bild, derKörper Marat's selbst soll nach ihrem Antrage der ganzen Weltzur Verehrung dargeboten werden. Einer von ihnen, Cailleresde l'Etang, tritt vor den Konvent und spricht: „Wollt Ihr dieDienste, die Marat dem Volke erwiesen, anerkennen? WolltIhr- die Sache der Freiheit befördern? Nun, so laßt den Leich-nam Marat's einbalsamiren und in alle Departements bringe».Was sage ich da? Nein, die ganze Erde erblicke die sterblichenReste dieses großen Mannes, dieses ächte» Republikaners!"
Einstweilen beschließt der Convent auf Chabot's Antrag,daß er dem Leichenbegängnisse Marat's vollzählig beiwohnen,daß sein Leichnam in de» Hauptstraßen von Paris herumge-tragen und die Versammlung auf seinem Grabe schwören werde,wie er die Sache des Volkes zu vertreten. David wird nebstMaure und Beutabole mit den Vorbereitungen für die Feier-lichkeit beauftragt. Bald erscheint er wieder auf der Tribüneund erklärt, die Leichenfeier Marat's könne nicht mit der ge-wünschten Pracht abgehalten werde». Der Leichnam diesesNichtswürdigcn ging i» der That zu rasch in Verwesung überund verbreitete trotz der chemischen Mischungen, mit denen manihn ohne Unterlaß begoß, einen pestilenzialischen Geruch-
„Es ist beschlossen worden," fährt David fort, „seinenLeib mit einem seine Badewanne darstellenden nassen Mantelauszusetzen. Heute Abend um fünf Uhr soll dse Beerdigungstattfinden. Sein Grab wird sich durch die für einen ächtenRepublikaner passende Einfachheit auszeichne». Sein Lebendiene uns zum Beispiele! Cato, Aristides, Sokrates,Timoleon, Fabricius und Phocion, Ihr, deren
1) Ebendas. v. t5- Juli.