Band 
[1. Band.]
Seite
195
JPEG-Download
 

195

als drei Tagen soupirte halb Paris in denStraßen."')

„Diese öffentlichen Mahlzeiten," fügt der NationalagentPayan bei, „nähern die Herzen einander und stellenantike Sitten dar. Ich habe einem dieser von dürftigenSansculotten gegebenen Mahle beigewohnt. Hier herrschten dielieblichste Brüderlichkeit, die Begeisterung der Vaterlandsliebeund Genügsamkeit; die Heiterkeit ersetzte einen nutzlosen Auf-wand. Der Stutzer schrie in den Straßen: »Seht, wie ichdie Gleichheit liebe, ich speise öffentlich mit meinem Be-dienten !«"

Von dem Bürgerbaukett des Verbrüderungsfestes bis zuden homerischen Nachtessen des Direktoriums kann man dieSpuren der Revolution in ihren Brudermahlen verfolgen.Es finden keine Feste, keine nationalen Feierlichkeiten, keineSiege, kein wichtiges Ereigniß mehr ohne Banket statt. ImMonat November 1792 kommen vier savoyardische Abgeordnetenach Paris, um die Einverleibung ihres Landes in die fran-zösische Republik zu begehren. Bei dieser Gelegenheit wirdein Brudermahl veranstaltet, und Lequinio schreibt: „DasFestessen bestand aus sehr einfachen Gerichten; Gleichheit,Freiheit und Ungezwungenheit aber machten es zum ange-nehmsten Mahl. Auf den elysäischen Feldern war es,wo dieses franko-savoyische Fest gehalten ward, und dieserName paßte nur noch mehr auf ste; denn die elysäischen Feldersind überall, wo die Menschen zusammenkommen, um sich brüder-lich zu umarmen, die Vernichtung der Tyrannei und dieErrungenschaften der Freiheit zu feiern."

1) Monit. v. 28. Messidor (16. Juli).

2) Derselbe v. 20. Juli. Sie vergessen ganz, zu bemerken, daß Jederbei Strafe, verdächtig zu sein, was gerade so viel heißt als beiTodesstrafe, an demselben Theil zu nehmen verbunden war.

3) Monit. ebendas.

13 *