Band 
[2. Band.]
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Revolution. Was hatte es im ganzen Verlaufe des sech-zehnten, siebenzehnten und achtzehnten Jahrhunderts andersgethan, als die Griechen und Römer bei den modernen Völkernbeliebt zu machen gesucht? Hatte es nicht ihre großen Männer,ihre socialen Institutionen, ihre Tugenden und selbst ihre Lei-denschaften der öffentlichen Bewunderung vorgeführt? Nunaber fälschten alle Demagogen und Ehebrecher, alle Königs-mörder und Tyrannen des klassischen Alterthums, alle Götterund Göttinnen des Olymp und des Capitol, welche vor demgeblendeten Europa aufmarschirten, ganz unmerklich die Ideen,verderbten die Sitten, entflammten die Sinne und bereitetenden monstruösen, doch unvermeidlichen Versuch der heidnischenRestauration, Revolution genannt, vor.

Hören wir einen ganz unverdächtigen Mann: „Vor Zeitenward der Ehebrecher mit dem Tode bestraft; jetzt würde man,wenn man von diesen strengen und antiken Gesetzen spräche,vollständig ausgepfiffen. Seht einmal alle unsere Komö-dien, ob man nicht immer auf Kosten der Ehemännerlacht. Solche Artigkeiten sind nur eine beständige Rechtferti-gung des Ehebruchs. Alle Künste werden zu Mitschuldigenan dieser Aufforderung zur Untreue. Unsere Gemälde, unsereStatuen und unsere Kupferstiche — was bieten sie dar? Lauterdem armen Gotte Hymen gespielte, gelungene und triumphi«rende Streiche. Unsere Gemälde sind nicht keuscher als un-sere Verse.

„Jedermann, der, anstatt die Journalisten und Akademiker,die Natur und die Menschen zu Rathe zieht, lächelt voll Mit-leid, wenn er des falschen, lügnerischen und seltsamen Tonesunserer Tragödie inne wird. Wie! denkt er, wir befindenuns inmitten von Europa, der großen und imposanten Bühneder mannigfachsten und erstaunlichsten Ereignisse, und habennoch keine selbstständige dramatische Kunst? Wir könnenohne die Beihülfe der Griechen, der Römer, Ba-bylonier undThracier nicht dichten? Wir gehen undsuchen einen Agamemnon, einen Oedipus, Theseus, Orestes rc. ?