Enkel nie versucht seien, die Berbrechen unserer der-abscheuungswürdigen Vater in religiöser Hinsicht zuerneuern." *)
Die verleumderische Declamation Voltaire's ist für dieRevolution eine Bibelstelle. Im Augenblicke, da sie selbst dieBartholomäusnacht des Volkes feiert, läßt sie die Bartholo-mäusnacht der Priester und Könige spielen. Auf der Bühneerblickt man einen französischen König, einen Vorgänger Lud-wig's XVI., welcher die Hinmordung seines Volkes gebietet,einen Kirchenfürsten in großem Lostüm, den Cardinal vonLothringen, die Dolche segnend, einen Sohn, der seinen Vaterermordet; man vernimmt die Sturmglocke, welche zum Blut.bade läutet. Alle Köpfe sind erhitzt; der Abscheu vor denMördern, das Mitleid für die Schlachtopfer machen sich inAusrufen, in Thränen, in wahnsinnigem Stampfen mit denFüßen Luft. Wehe dem Könige, wehe dem Priester, welchemdas Volk am Schlüsse dieser Darstellungen begegnet, die nochlange in den dramatischen Jahrbüchern fortleben werden!
Zu demselben Zwecke wie Karl IX. war der Tod desCalas abgefaßt. „Die Freunde der Revolution, welche dasParlament und den Klerus untergraben wollten, rissen denblutigen Vorhang auf, der diese schreckliche Katastrophe ver-hüllte, um dem Volke den tiefsten Haß gegen den Fanatismusund die früheren Institutionen einzuflößen. Solche scheußlicheBeispiele machen auf den großen Haufen einen stärkeren Ein-druck als lange Phrasen oder scharfsinnige Räsonnements.Diese Taktik ist den hinter dem Vorhänge der Revolution ver-steckten Führern keineswegs entgangen. Die Ermordungdes Calas, des La Barre, die Blutbäder in denCevennen und die Bartholomäusnacht haben der
1) Monit. v. 2t. April 1790.
2) Malerische Geschichte des Convents, B. I. S. 56.
3) Sind nicht die Hugenotten auch ein Lieblingsstück der modernenBühne? Und rufen nicht Schiller'S Wilhelm Teil, Kabale
Gaume, Revoultion. IV. 5