Band 
[2. Band.]
Seite
141
JPEG-Download
 

141

Diese Sprache ist gemäßigt, selbst ehrerbietig im Ver-gleiche zu jener, die er einige Monate später führt. In derSitzung vom 19. Mai 1791 wagt er zuerst vor einer Ver-sammlung französischer Gesetzgeber zu äußern: „Es ist unge-nau, den König den Repräsentanten des Volkes zu nennen;der König ist nur der Diener (comwis) des Volkes undhat dessen nationale Befehle zu vollstrecken. Hier ist der Mo-ment, jene große Revolution, die sich über alle Theile der Welterstrecken wird, zu beginnen." Er verlangt, man solle denKönig seiner Prärogative und besonders des Rechtes, Kriegzu erklären, berauben.

Die Herabwürdigung des Königthums genügt ihm nicht;er will dessen totale Vernichtung. Als er am 18. Juni 1791die Verabschiedung aller Officiere der Armee verlangt, beginnter seine verleumderische — wie sie Cazalös nennt —Ansprache also: „Welches ist inmitten der Ruinen aller Aristo-kratien die Macht, die noch ein verwegenes und drohendesGesicht zu zeigen wagt? Ihr habt alle Staatsämter nach demPrincipe der Gleichheit und Freiheit reconstruirt und behaltetein Corps von bewaffneten Staatsbeamten bei, welches derDespotismus geschaffen und welches das förmlichste Dementider Konstitution und gleichzeitig die empörendste Beschimpfungder Würde des Volkes ist."

Fünf Tage nachher, am 23. Juni, erscheint Robespierrestrahlenden Antlitzes wiederum aus der Tribüne und verlangtals ächter Römer Bürgerkränze für Jene, welche den Kö-nig in Varennes verhaftet haben. Am 26. verlangt er mitaller Entschiedenheit, es möge ein Verhör gegen den Königund die Königin über die Beweggründe ihrer Flucht eingelei-tet werden. „Man sage mir nicht," ruft er aus, „die könig-liche Autorität werde herabgewürdigt werden. Ein Bürger,eine Bürgerin, irgend welcher beliebige Mensch, wie hoch auchseine Würde sei, kann durch das Gesetz niemals herabgewürdigt

1) Monit. ebendas. — 2) Monit. ebendas.