145
stehender Theorie. „Alle öffentlichen Funktionen," sagt er, „be-ruhen auf einer socialen Institution. Die Priester sindStaatsbeamte. Jede Magistratur ist nur insofern zu existirenberechtigt, als sie nützlich ist. Gegenüber dieser Maxime müs-sen die Pfründen, die Kathedralen, die Stifte, die Pfarreienund alle Bisthümer, welche die öffentlichen Bedürfnisse nichtverlangen, die Erzbischöfe und die Cardinäle verschwinden."
Da haben wir die Kirche im Staate. Einmal in diesemKerker, beraubt sie die Revolution und schlägt sie auf beideWangen. Am 2. November stimmt Robespierre mit Begeiste-rung für die Beraubung des Klerus. Alle Gemeinschaften vonPriestern, Mönchen und Klosterfrauen werden unter einem Rot-tenfeuer von Verhöhnungen und Spottgedichten aus ihrenKlöstern vertrieben.
Dieses Spectakel gefällt der Revolution ganz ausnehmend.A» allen Orten, wo sie Platz greift, läßt sie es ihre ersteSorge sein, dasselbe zu wiederholen. Im Augenblicke, da wirdiese Zeile» schreiben, führe» die Brüder Robespierre's in^ Italien und Spanien mit dem Isissor passer der Regierungendasselbe auf. Dies sind, was man auch dagegen sagen mag,ebenso viele gegen das Princip des Eigenthums unternommeneAngriffe. Darf man, wenn dem Volke solche Beispiele desGüterraubs gegeben, noch erstaunt sein, wenn das Volk einesTages dieses neue Recht, kraft dessen der Staat, die Nationüber die Güter Anderer schalten und walten darf, auch aufAndere als Priester und Mönche anwenden will? Das Eigen-thum ist der Acker des Naboth oder die Mühle von Sans-souci. Was liegt daran, ob man Müller oder Kapuziner ist?Gerechtigkeit und Recht bleiben dieselben.
Die Revolution nimmt die Sache nicht so genau. Am18. November 1790 verlangt sie durch das Organ Robes-pierre's die Beraubung des heiligen Stuhles, d. h. die Ein-verleibung der Grafschaft Avignon in das französische
l) Monit. ebendas.Gaume, Revolution. IV.
10