202
anfänglich mit fünfzehn Personen. Bald nachher nahmen siederen dreißig auf und endlich sogar vierundachtzig und alsder Tod Robespierre's das Menschengeschlecht von diesemBlutdurst endlich befreite, war Alles darnach eingerichtet, ein-hundertundfünfzig Personen gleichzeitig zur Hinrichtungsstättebefördern zu können.
„Gegen drei Uhr Nachmittags kamen diese langen Pro-cessionen von Schlachtopfern vom Tribunal herab und schrittenlangsam unter langen Bogenhallen durch die düsteren Gängeund die Massen von Gefangenen, die um sie vorüberkommenzu sehen, sich zu beiden Seiten in Reihen aufgestellt hatten.Auf diese Weise habe ich fünfundvierzig Mitglieder des Par-lamentes von Paris, dreiunddreißig des von Toulouse, dreißigGeneralpächter und fünfundzwanzig der angesehensten Kauf-leute von Sedan an mir defiliren sehen. Ich habe eine Mengevon schönen, jungen und liebenswürdigen Frauen gesehen, dieHände in entwürdigende Eisen gefesselt und den Nacken untereinem schmählichen Joche gebeugt, wie sie miteinander in denSchlund der Conciergerie gestürzt wurden, den sie erst wiederverlassen sollten, um Duzendweise das Schaffst mit ihremBlute zu färben.
„Ich habe zwanzig Frauen aus Poitou gesehen, zumgrößten Theile arme Bäuerinnen, die späterhin sämmtlich hin-gemetzelt wurden. Ich sehe sie noch diese unglücklichen Schlacht-opfer, wie sie in dem Hofe der Conciergerie, von den Stra-pazen einer langen Reise ermattet, ausgestreckt liegen und aufdem Pflaster schlafen. Ihre Blicke, in denen sich keine Ahnungvon dem ihnen drohenden Geschicke zeigte, glichen denen vonOchsen, die auf den Märkten zusammengehäuft stehen und stierund bewußtlos um sich schauen. Alle wurden hingerichtet.
»Ich sah deren auch, die ihre Kinder säugten, welche manihnen in dem Augenblicke entriß, da sie dieselben mit einerMilch tränkten, deren Quelle der Henker bald nachher versiegenmachen sollte. Habe ich nicht vor dem neunten Thermidor