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heutigen Tag genießen, denn morgen müssen wir sterben!" warder Wahlspruch der Gefangenen. „Unsere Lebensweise," schreibtEiner von ihnen, „ist eine Mischung von Schauder und wilderHeiterkeit. Wir scherzen über die schrecklichsten Dinge undzeigten eines Tages einem Neuangekommenen vermittelst einesumgelegten Stuhles, wie man das mache."
Diese Gefühllosigkeit für ihre Zukunft verläßt sie ebenso-wenig als die Erinnerung an die heidnischen Meister, welcheihnen das Beispiel dafür gegeben haben. Gornay wird vordas Rcvolutionstribunal geladen. Bevor er hinaufgeht, trinkter weißen Wein, ißt Austern mit seinen Freunden, raucht ganzruhig und unterhält sich mit ihnen über die Vernichtungunseres Wesens. „Es ist nicht genug," sprach er zuihnen, „daß wir jetzt gut gefrühstückt haben, es handelt sichnunmehr um das Souper, und ihr müßt mir die Adresse desRestaurateurs in der andern Welt geben, damit ich für diesenAbend ein gutes Mahl bereiten lassen kann." ?)
Hier darf das Geständniß nicht unerwähnt bleiben, dasDanton wenige Augenblicke, ehe man ihn zur Hinrichtungführte, ablegte und das für ein Msume des Lebens der Mei-sten dieser beklagenswerthen Opfer gelten kann: „Was liegtdaran," sprach er, „wenn ich sterbe? Ich habe mir in derRevolution Vergnügen gemacht, ich habe geschwärmt, ge-jubelt und Mädchen geküßt; nun will ich schlafen gehen!"Dies waren die letzten Worte eines Mannes, den man als solauter und zartfühlend geschildert hat.
Nichts vermochte diese unglücklichen Schriftgelehrten zubekehren. „Wir hatten," erzählt Riouffe, „in unserem Zimmereinen gutmüthigen Benedictiner, der stets die Hände auf derBrust hielt und von dem Wunsche gequält wurde, Proselytenzu machen. Ducorneau war der Teufel für diesen neuen hei-ligen Antonius. Bald stahl er ihm sein Brevier, bald löschte
I) Ebendas. S. 29. — 2) EbeuLas. S. 52.3) Memoiren Senart's, S. 99.