264
mittheilen müssen. Bei einem im Jahre 1855 in Paris statt-gehabten Verkaufe von Autographen hat sich folgendes vom13. Prairial des Jahres II datirtes Schreiben vorgefunden *):
„Seit dem Beginne der Revolution bin ich verliebt indich; allein ich war gebunden und mußte meine Leidenschaftüberwinden. Jetzt, da ich frei bin, weil ich meinen Mann imKriege gegen die Vende'e verloren habe, will ich es dir imAngesichts des höchsten Wesens laut erklären. Ich darfmir wohl schmeicheln, lieber Robespierre, daß du dich gegendas Gesiändniß, das ich dir ablege, gefühlvoll erweisen wirst.Es kostet eine Frau viel, solche Geständnisse zu machen; alleindas Papier ist geduldig und in der Ferne braucht man we-niger zu erröthen, als wenn man sich persönlich gegenübersteht. Du bist meine höchste Gottheit und ich kenne keineandere auf Erden als dich. Ich betrachte dich als meinenSchutzengel und will nur unter deinen Gesetzen leben; die-selben sind so süß, daß ich, wenn du eben so frei bist als ich,dir das eidliche Versprechen gebe, mich für mein ganzes Lebenmit dir zu verbinden. Als Mitgift biete ich dir die wahrenEigenschaften einer guten Republikanerin, 40,000 Livres Rentenund meine Eigenschaft als 22jährige junge Wittwe. Ist dirdies Anerbieten genehm, so antworte mir, ich bitte dich flehent-lich darum. Meine Adresse ist: An Wittwe Takin, poslsrostante in Nantes. Wenn ich dich bitte, poste restgntö anmich zu schreiben, so geschieht es deßhalb, weil ich befürchte,meine Mutter möge mich wegen meiner Unbesonnenheitzanken rc. rc.
Wittwe Takin."
Dieses Wesen, Gegenstand so vieler Huldigungen, diesesWesen, der Reihe nach Brutus und Demosthenes,Heros und Halbgott, dieses Wesen, welches die Einenlaut den Tugendhaften, den Unbestechlichen, den
1) Osrstts äs Kranes vom 27. Juni 1855.