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[2. Band.]
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ich wohnte den olympischen Spielen bei und es verdroßmich, daß ich eine Französin sein mußte. Auf diese Weisevon Allem, was die schöne Zeit der Republiken mir darge-boten hatte, eingenommen, glitt ich über die Stürme, von denensie bewegt worden, hinweg; ich vergaß den Tod des Sokrates,die Verbannung des Aristides, die Verurtheilung des Phocion.Ich wußte nicht, daß ich vom Himmel dazu bestimmt war,Zeugin von Verirrn n gen zu sein, ähnlich denen, derenOpfer sie waren, und an dem Ruhme einer Verfolgung der-selben Art, nachdem ich ihre Grundsätze bekannt, Theilzu nehmen." ')

Bei dem Anblicke der glänzenden Civilisation und dererhabenen Tugenden des durch ein trügerisches Prisma ge-schauten heidnischen Alterthums findet auch sie, wie so vieleAndere, sich zu der Frage veranlaßt, wozu das Christenthumin der Welt nütze sei. Ihre Vernunft beginnt, über die Glau-benslehren in Unruhe zu gerathen; der Zweifel faßt Wurzel.

Bald nachher entgleiten dem unlängst noch so frommenMädchen die Worte: „Man muß gestehen, daß die katholischeReligion, obgleich mit einem gesunden Sinne, welcherdurch Kenntnisse aufgeklärt ist und die Gegenstände seinesGlaubens den Regeln der Vernunft unterwirft, unverein-bar, doch ganz geeignet ist, die Einbildungskraft zu ge-winnen." 3) Doch bleibt sie auch jetzt noch ihren Andachts-übungen getreu. Sie beichtet und klagt sich ihres übertriebenenHanges zu den Vergnügungen, ihrer Zerstreuungen und ihrerKälte bei den Uebungen der Religion an. »Zwei oder dreiMal des Jahres," sagt sie, „genoß ich die göttliche Speiseund dachte an das, was Cicero geschrieben hatte,daß den Menschen nach allen ihren Thorheiten in Betreff der

samste Despotismus; dies aber läßt die klassische Erziehung dieJugend ignoriren.

1) Denkwürdigkeiten der Mad. Roland u. s. w., B. I. S. 107.

2) Ebenda,'. T. l09. - 3) Ebendas. S. 42.