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nisie selbstständig gestalten, so würde ich den Stoff gar nichtverändern; ich würde die Götter bitten, mich wiederum zuderjenigen zu machen, aus welcher sie mich gebildet haben....Roland ist gerecht wieAristides und streng wie Cato;seine Tugenden haben ihm Feinde erweckt." ')
Wie der Mensch im Unglücke oder am Rande des Grabesin sich selbst einkehrt und in der Vergangenheit lebt, so ver-setzt sich auch Madame Roland, allein zwischen den vier Mauerneines Gefängnisses, in die Tage ihrer Kindheit zurück. Ihretheuersten Erinnerungen kehren wieder und als sie solche ent-schwunden sieht, ruft sie aus: „In den begeisterten Gefühlenmeines jungen Herzens weinte ich im zwölften Jahre darüber,daß ich keine geborne Sparta nerin oder Römerinwar. Ich habe geglaubt, in der französischen Revolution dieungehoffte Anwendung d er Grundsätze, mitdenenich mich genährt hatte, zu erblicken.... GlänzendeTraumgebilde!" 2)
„O Brutus! dessen muthige Hand vergebens die ver-derbten Römer befreite, wir haben wie du geirrt. Diesereinen Menschen, deren glühende Seele nach der Freiheittrachtete, haben sich wie du geschmeichelt, daß mit dem Um-stürze der Tyrannei die Herrschaft der Gerechtigkeit beginnenwerde; derselbe ist nur das Signal der niedrigsten Leiden-schaften und der abscheulichsten Laster gewesen. Du sagtestnach der Aechtung der Triumvirn, du empfändest größereScham über die Ursache des Todes Cicero's als Schmerzüber seinen Tod selbst. Du tadelst deine Freunde Rom's,daß sie sich nicht sowohl durch die Schuld der Tyrannen, alsvielmehr durch die ihrige, zu Sklaoen machten. Aus dieseWeise versetzte ich mich selbst im Innern meines Gefäng-nisses in Unwillen." >')
In der Erzählung von ihrer Gefangenschaft finden wir
1) Denkwürdige. B. I. S. 279; B. II- S. 86-92.
2) Ebendas. B. II. S. 106. - 3) Ebendas. B. II. S. 97.