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Also starb Madame Roland, das Opfer ihrer Erziehung,am 10. November 1793, gerade am Tage des Festes derGöttin Vernunft.
Als sie ihr Todesurtheil vernahm, hatte sie gesagt: „Ro-land wird sich umbringen." In der That hatte er nicht so-bald den Tod seiner Frau erfahren, als er von einer finsterenVerzweiflung ergriffen, Rouen, wohin er sich geflüchtet hatte,verließ und sich unter einem Baume entleibte. Man fand fol-gendes Billet: „Wer du auch seist, der du mich todt findest,achte meine Gebeine; sie sind die eines Mannes, der sich seinganzes Leben lang bestrebte, nützlich zu werden, und gestorbenist, wie er gelebt hat — tugend- und ehrenhaft. ZmAugenblicke, da ich erfuhr, daß man meine Frau ermordethatte, wollte ich nicht mehr länger auf einer mit Verbrechenbesudelten Erde verweilen."
Sich tugendhaft nennen im Augenblicke, da man derFrevelthaten letzte kaltblütig zu verüben im Begriffe steht!Welche Tugend und welche Moral! Welche Verkehrung derchristlichen Gesinnung!
Es gibt vielleicht doch eine noch größere, nämlich die derMänner, die eine solche That loben. „Was gibt es Schöneres,"rufen die Apologeten der Madame Roland aus, „als einemit solcher Sympathie getheilte Ueberzeugung und das innereBewußtsein einer so festen Anhänglichkeit zwischen zwei Herzen,daß sie empfinden, der Augenblick, da das Eine sterben wird,werde auch der Moment sein, da das Andere aus dem Lebenscheidet?" ') — „Zwei Frauen und ein Greis sprachen, inden Schmerz versunken, vom Leben und vom Tode, wie esSeneca und ThraseaS gethan haben würden.Roland brachte sich am 15. November 1793 um's Leben.Seine Frau, welche die Absicht gehabt hatte, sich zu vergiften,
1) Lairtullier, Berühmte Frauen u. s. w., S. 364.