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d. h. etwa im Alter von achtzehn oder gar sechzehn Jahren,vielleicht auch noch früher geworden ist!
Da sehen wir ein junges Mädchen, als Christin geborenund in einem Kloster erzogen, die vor Gericht offen erklärt,sie habe die wesentlichsten Pflichten des Christenthums nichtbefolgt, die sich unmittelbar vor dem Tode den Beistand einesPriesters anzunehmen weigert, die dessenungeachtet an ihrenVater schreibt, er solle sich über ihr Schicksal freuen, und dieals ächte Republikanerin ihr ewiges Glück darin findet, mitBrutus in den elysäischen Feldern vereint zu werden!
Wie lassen sich diese seltsamen, diese schmerzlichen Wider-sprüche erklären? Oder liegt die Erklärung derselben nichtvielmehr auf der flachen Hand? Wovon das Herz voll ist,davon geht der Mund über, und der Mensch ist nur das Kindseiner Erziehung. Charlotte Corday redet die Sprache derRepublikaner des Alterthums; sie ahmt deren Beispiele nachund ihre Bewunderung für dieselben ist so groß, daß sie inder eitlen Hoffnung, ihr Schicksal zu theilen, deren gröbstenVerirrungen laut bekennt und dem Glauben, auf den sie ge-tauft ist, abtrünnig wird; also hat sie sich in der Schule derAlten gebildet.
Könnte noch ein Zweifel hinsichtlich der Richtigkeit dieserFolgerung obwalten, so würde er doch bei der Lectüre nach-stehender Zeugnisse verschwinden.
„In der Abgeschiedenheit des Klosters," sagt Dubois,„hatte Charlotte die Gelegenheit gefunden, ihre Neigung fürdas Studium zu befriedigen. Jene glänzende GeschichteGriechenlands, jene ehrwürdigen Annalen Rom'shatten in ihrem Herzen die Gefühle einer Freiheit erweckt,welche die Welt erlösen und den verführerischen Traum vonder Verbesserung des Schicksals der Menschen verwirklichensollte." 0
Mit der Lectüre der heidnischen Autoren verband sie die
1) OtiLrtotts UecLpUee L karis ele., S. 8.