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[2. Band.]
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zwingbare Leidenschaft für das heidnische Alterthum eingesogen.Sein ganzes Sinnen und Trachten ist auf die schöne» Wissen-schaften gerichtet, aufgefaßt, wie man sie im Colleg aufzufassenpflegte, nach den antiken Mustern gemodelt, von ihrem Geistebeseelt, ihre Formen entlehnend und, insofern dies möglich,ihre religiösen und politischen Ansichten ausdrückend: „bis zudem Grade," sagen die Denkwürdigkeiten des Servivres, „daßer sich zu den Absichten seines Vaters, der ihn für die Ge-richtsstube bestimmte, niemals verstehen mochte."

Eine Seele, leer an Christenthum und berauscht vomPagauiSmus, seht, dies war Voltaire schon vor seinem Aus-tritte aus dem Colleg Louis le Grand. Wie so aber istder Knabe, der schon im zehnten Jahre mit dem dop-pelte» Schatze des Glaubens und der Unschuld dieses Altersins Colleg trat, tugendhaften und geübten Lehrern anvertraut,mit ganz besonderer Sorgfalt behandelt wurde, so rasch einUngläubiger und Wüstling, ein öffentlicher Verächter desChristenthums und leidenschaftlicher Bewunderer des Hei-deuthums geworden? Hätte Voltaire im Colleg nur den Glau-ben und die guten Sitten eingebüßt, so könnte man dies derschlechten Gesellschaft und schlechter Lektüre zuschreiben, obgleichauch Dieses von einem Jesuitenkolleg und einer Zeit, da diePreßfreiheit noch nicht vorhanden war, sehr unwahrscheinlichklingt. Wäre es nicht viel natürlicher zu sagen, Voltaire habedie Klippe seiner Unschuld und seines Glaubens da gefunden,wo auch der heilige Augustin, Napoleon und so viele Anderedie Klippe der ihrigen fanden?

Allein sich ferner unwiderruflich für das heidnische Alter-thum begeistern — wie wollt Ihr dieses Geheimniß erklären?In Erwartung euerer Antwort sagt Voltaire uns selbst durchsein ganzes Leben: „Ich bin der Sohn meiner wissenschaftlichenErziehung; ich bin nicht in Paris, im Colleg Louis leGrand, von Jesuiten, sondern in Rom und Athen vonSallust, Cicero, Virgilius, Ovid, Horaz und Anakreon ge-bildet worden; die PP. Poree, Lejay und Tournemine waren