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[2. Band.]
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seine Kräfte zu verdoppeln. „Ich bin es satt," sagteer eines Tages, „zu hören, daß zwölf Menschen hinreichten,um das Christenthum einzuführen und ich habe Lust, ihnen zubeweisen, daß ein einziger hinreicht, um es zu zerstören."')

Alle gegen die christlichen Jahrhunderte und die christ-lichen Institutionen von Macchiavell, Ulrich v. Hütten, Eras-mus und den anderen durch die Schönheiten des klassischenAlterthums geblendeten Renaissants geschleuderten Unbilden,ihre gehässigen Verleumdungen und ihr gottesschänderischesGespötte kommen in Voltaire, mit einem neuen Salze gewürzt,abermals zum Vorschein. Was im sechzehnten Jahrhundertgeschah, erneuert sich nur in ausgedehnterem Maße im acht-zehnten. Das Unkraut des Heidenthums, mit vollen Händenauf das Ackerfeld Europa's ausgestreut, bringt eine ungeheuereErnte hervor. „Die früherhin nur in manchen Städten, wodie Wissenschaften gepflegt wurden und unter denSchriftstellern, Gelehrten, Großen und Gebil-deten vorhandenen Freidenker," sagt Condorcet, „ver-mehrten sich sowohl in allen Klassen der Gesellschaft als auchin allen Ländern." ?)

„Cartestus," fährt La Harpe fort, „hatte in der Philo-sophie eine totale Umwälzung hervorgebracht; Voltaire be-werkstelligte eine viel umfassendere in der Moral der Na-tionen und in den socialen Ideen. Der Eine hatdas Joch der Schule, das nur auf den Gelehrten lastete, ab-geworfen, der Andere den Scepter des Fanatismus,welcher die ganze Welt bedrückte, zerbrochen."

Sechzig Jahre eines erbitterten Krieges gegen JesusChristus, welchen er den Infamen zu nennen sich erkühnt,gegen seine anbetungswürdige Person, seine Dogmen, Moralund seine Geheimnisse: seht, dies ist Voltaire in seinen phi-losophischen Werken, in seinem Briefwechsel, seinen flüchtigen

1) Leben Voltaire's, S. 245. — 2) Ebendas. S. 246.3) Lobrede auf Voltaire, S. 74.