41
selbe, was gegenwärtig noch die Bewohner mehrerer südlichen^ Küsten Afrika's und die Hälfte der Amerikaner find." ')
Hierauf finden wir bei Voltaire wie bei den anderenKlassikern die Lobpreisung dieses goldenen Zeitalters. DerGeschichtschreiber und Philosoph sagt: „Jene amerikanischenund afrikanischen Völkerschaften find frei, unsere europäi-schen Wilden dagegen haben von der Freiheit gar keineVorstellung." Die Wilden find frei! Sie haben die Frei-heit, nackt einherzugehen, von der Jagd und dem Fischfängezu leben, die Götzenbilder anzubeten, sich umzubringen und zu! verspeisen! Das ist die Freiheit des goldenen Zeitalters,s Nun wissen wir, daß die Revolution, wenn sie am FesteI der Göttin Natur singt: Heil euch, Lappländer! nichts^ Anderes ist, als der getreue Widerhall Voltaires, selbst nur> das Echo des Ovid und der Alten.
Um eine Societät, eine Religion zu erfinden, muß mansich verstehen; nun verstanden sich aber nach Voltaire die erstenMenschen nicht. Diese Schwierigkeit ist zwar sehr erheblich,vermag ihn aber nicht aufzuhalten. „Ehe eine Societät ge-bildet werden kann," sagt er, „bedarf man eine Sprache; diesaber ist das Schwierigste. Zweifelsohne hat man den Anfangmit unartikulirten Lauten gemacht, welche die ersten Bedürf-nisse ausgedrückt haben werden; hierauf haben die geistreicherenund mit geschmeidigeren Organen versehenen Menschen einigeartikulirte Worte gebildet und ihre Kinder sie nachge-sprochen. Jedes Sprachidiom wird bei seinem Beginne ausMonosyllaben bestanden haben. Mit dieser Kürze drückteman sich in den Wäldern Galliens und Germaniens aus.Die Griechen und Römer hatten erst lange, nachdem sie sichzum Volke ausgebildet hatten, zusammengesetztere Wörter."
Dank der Erfindung der Sprache, deren Geheimniß Vol-taire, gestützt auf die Griechen und Römer, entdeckt hat, können
1) Philosophie der Geschichte, S. 16.
2) Ebendas. S. 28. — 3) Ebendas. S. 35.