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Fünftes Kapitel.
Voltaire.
(Fortsetzung.)
Analyse der Abhandlung über die Sitten — Beharr-liche Lobpreisung des heidnischen Alterthums, seiner Künste undLiteratur, seiner Rede- und Gewissensfreiheit — Grimmiger Haßgegen das Christenthum und das Mittelalter, seine Sprache, seineKunst, seine Gesetze und seine Wissenschaft — Bewunderung fürdie Renaissance — Genealogie der Denkfreiheit — Apotheose desMenschen.
Die beharrliche Verachtung gegen das Christenthum, dieebenso beharrliche Bewunderung für das Heidenthum, wovonuns die Philosophie der Geschichte einige Zeugnissegeliefert hat, ist die Egeria, welche Voltaire auch in seinerAbhandlung über die Sitten der Völker leitet.Mit den Künsten beginnend, sagt er: „Die schöne Baukunst,die vollendete Skulptur, die Malerei, die ächte Musik, diewahre Dichtkunst und Beredtsamkeit, die gute Geschichtschrei-bung, dies alles haben die Völker nur den Griechenzu verdanken." ')
Wie sehr ist Voltaire der getreue Widerhall seiner klas-sischen Erziehung! Diese in Axiome übergegangenen Irrthümer,sind sie nicht jetzt noch die curstrende Münze der Kollegien? Waswaren vor erst wenigen Jahren die herrlichen Thatsachen deschristlichen Europa, die christliche Kunst, die christliche Musikfür die Klasse der Gebildeten? Kennen die meisten gegen-wärtigen Collegschüler etwas, was hinsichtlich der Beredtsam-keit mit Cicero, in Betreff der Dichtkunst mit Virgil und,was die Philosophie anlangt, mit Plato verglichen werden
1) Lssai sur Iss moeui-s, B. I, S. 113. Ausgabe Beuchst.