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[2. Band.]
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Cäsar die Religion verspotten, oder sie als Mittel für ihreHerrschaft gebrauchen. „Die Römer," sagt er, „beteten einhöchstes Wesen, den Osus optimus maximus an. Mit dieserKenntniß von einem Gotte, mit dieser allgemei-nen Duldsamkeit, die Frucht der gebildeten Ver-nunft, war eine Unmasse abergläubiger Gebräuche, die Fruchtder cultivirten Vernunft, verbunden. Weßhalb schafften dieBesteger und Gesetzgeber so vieler Völker diese thörichtenDinge nicht ab? Weil sie ihres Alters wegen bei dem Volkebeliebt waren und der Regierung nicht schadeten. Die Scipio,die Paulus Aemilius, die Cicero, die Cato, die Cäsar hattenandere Dinge zu thun, als die abergläubigen Meinungen desPöbels zu bekämpfen. Wo einmal ein alter Irrthum sich ein-gebürgert hat, da bedient sich die Politik desselben als einesGebisses, das sich das Volk selbst in den Mund gesteckt hat, bisein anderer Aberglaube ihn beseitigt und die Politik die-sen zweiten Irrthum zu ihrem Vortheil benützt,wie sie den ersten zu benützen wußte."')

„So waren," sagt Voltaire schließlich, „diese beiden geist-reichsten Völker der Erde, die Griechen und Römer, unsereLehrmeister, beschaffen."

Mit dieser naiven Bewunderung des klassischen Alter-thums verbindet sich der grimmige Haß gegen das Christen-thum. Einer der Jngendlehrer im siebzehnten Jahrhunderthatte das Mittelalter bezeichnet als die Zeit, da die Men-schen halb thierisch gewesen; Voltaire stimmt mit ihmin dieser Ansicht vollkommen überein und alle Renaissantstheilen dieselbe. „Alle diese barbarischen Jahrhunderte," rufter aus, „sind Jahrhunderte der Gräuel- und Wunderthaten.Die einzelnen Geschichten jener Zeiten sind ebenso viele Fabelnund, was eben das Schlimmste, langweilige Fabeln."^

„Alle Betrügereien, Irrthümer und widrigen Thorheiten,

1) Lssai sur les mosui'8, B. I, S. 230.

2) EbenLas. S. 237. - 3) Ebendas. S. 241.