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[2. Band.]
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mit denen wir seit siebzehn Jahrhunderten überschwemmtsind, vermochten unsere Religion nicht zu benachtheiligen. Sieist ganz unzweifelhaft göttlich; denn siebzehnhundert Jahrelang geübte Betrügereien und Thorheiten haben nicht ver-mocht, sie zu zerstören." ')

Zu diesen Betrügereien rechnet er unter anderen auch dieReise des heiligen Petrus nach Rom, seine Kreuzigung unterNero und andere Hauptthatsachen der Geschichte des Christen-thums; indessen beeilt er sich, hinzuzusetzen, die im Colleg ge-bildeten Generationen glaubten nicht ein Wort davon. „DieseKindereien," sagt er, „werden heutzutage von allen gebil-deten Christen verachtet/")

Voltaire weiß, was er von diesen Kindereien, diesen Be-trügereien zu halten hat; das aber kann er dem Christenthumenicht verzeihen, daß es dieses schöne Alterthum, dieses pracht-volle römische Reich, die größte Herrlichkeit der Menschheitzerstört hat. Mit der ihm eigenthümlichen Ironie sagt er:„Das Christenthum öffnete den Himmel, allein es richtetedas Kaiserreich zu Grunde; denn alle in seinem Schooßegeborenen Secten bekämpften die alte Religion des Reiches,freilich eine falsche, eine lächerliche Religion, unter^welcher Rom zehn Jahrhunderte hindurch vonSieg zu Sieg geeilt war."

Wie sollte man an diesem Zuge nicht die schreckliche Wir-kung der klassischen Erziehung erkennen, welche durch denNachweis, daß unter einer falschen Religion die glänzendsteCivilisation existirt habe, in dem jungen Menschen die Fragehervorruft: „Wozu taugt das Christenthum für die Gesellschaft?"

Voltaire fährt fort: „Wenn man von der Geschichte desrömischen Reiches zu der Geschichte der Völker übergeht, diees im Abenlande zerrissen haben, so ist man einem Reisendenähnlich, der bei seiner Abreise aus einer prächtigen Stadt sich

1) Lssai sur les mosurs, B. I, S. 366.

2) Ebendas. 350.