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in wüste, nur mit Sträuchern bedeckte Ebenen versetzt sieht.Der menschliche Verstand verwildert in abergläu-bigen Ansichten der schlimmsten und unsinnigstenArt. Ganz Europa lebte bis zum sechzehntenJahrhundert in dieser Verwilderung." ')
So viele Worte, ebenso viele Lügen. Es war herrlichdieses römische Reich, wo das rohe Recht der Gewalt alsSouverän herrschte, wo drei Viertel des MenschengeschlechtsSklaven waren. Die abergläubigen Ansichten der Römer,die Geheimnisse der gütigen Göttin, die Feste des Priapus,die Kämpfe der Gladiatoren waren weder schlimm noch un-sinnig! Nicht verwildert war der menschliche Verstand, derselbst bei den Weisen auf das Nichts des Gedankens hinaus-kam! Offenbar hatte Voltaire das Alterthum unter der glän-zenden Außenseite, die man ihn im Colleg hatte bewundernlassen, geschaut und keine Zeit gehabt, oder sich keine Mühegegeben, die Fehler seiner Erziehung wieder gut zu machen.
Seinen Gang durch die Jahrhunderte fortsetzend, sagt erweiter: „Im dreizehnten Jahrhundert kommt man aus derwilden Unwissenheit in die scholastische Unwissenheit,welche schlimmer ist als die schändlichste Unwissenheit."^) Derheilige Bernhard ein Wilder, der heilige Ludwig, der heiligeThomas — schlimmer als die Wilden! Die Kathedrale vonChartres, die Sainte-Chapelle Werke von Wilden! „Trüm-mer von Gebäuden des Mittelalters, die eine rohe und ge-schmacklose Kuriosität begierig aufsucht!"^)
In den Augen des Schülers des schönen Alterthums istdie Sprache nicht weniger barbarisch als die Werke. Voltaireurtheilt über dieselbe, wie man sie in den Kollegien beurtheilt,und sagt: „Der heilige Bernhard und Abälard hätten imzwölften Jahrhundert als Schöngeister betrachtet werden
1) Lsssi sui- Iss moeurs, B. I, S. 384.
2) Ebendas. B. II, S. 260. — 3) Ebendas. S. 422.