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Diese so keusche Renaissance betrachtet Voltaire liebevoll,wie ein Sohn seine Mutter betrachtet; mit Stolzgefühl ver-gleicht er sie mit den ihr vorausgehenden Jahrhunderten.Er sagt: „Frankreich begann unter Franz I. aus der Bar-barei herauszutreten. Man muß gestehen, daß trotz des rich-tigen Gefühles, welches diesen Fürsten zu Gunsten der Kunstbeseelte, in Frankreich doch Alles noch barbarischwar, gleichwie auch Alles im Vergleich zu denRömern als unbedeutend erscheinen mußte. InFrankreich gab es vor jenerZeit keinen Menschen,welcher das Griechische lesen konnte.*)
„Im sechzehnten Jahrhundert verwarfen die Theistenoder Deicolen, dem Plato ergebener als Jesus Chri-stus, mehr Philosophen als Christen, tollkühn^)die göttliche Offenbarung, welche die Menschen leider zu sehrmißbraucht hatten, und die geistliche Autorität, die man nochübler angewendet hatte. Sie waren in ganz Europa ver-breitet und hatten sich späterhin aus wahrhaft wun-derbare Weise vermehrt. Dies war die einzigeReligion auf Erden, die am Klarsten einleuchtete.Ursprünglich aus Philosophen, welche sich insgesammt aufgleichförmige Weise verirrten,^ bestehend, hieraufin den Mittelstand derer, welche in der an ein bescheidenesAuskommen geknüpften Muße leben, übergehend, stieg sie späterzu den Großen aller Länder empor und fand nur seltenEingang bei dem Volke." *)
1) Lssui sur Iss inoeurs, B. II, S. 223. — Man studirte demnachauch weder den Demosthenes, noch Lucian, noch Sophokles, nochAesopins-
2) Ironisch.
3) Eine annehmbare, sehr annehmbare Religion, der nur verirrte Men-schen zugethan waren. Dieser Widerspruch ist nur ein scheinbarer.Voltaire behauptet ja, die Denkfreiheit Plato's sei die wahre Re-ligion der Vernünftigen.
4) B. II- S. 301.
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