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[2. Band.]
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Tochter der Renaissance, die Denkfreiheit, eine Herrschaft aus-übte, welche fähig war, auch die Anspruchvollsten zu befrie-digen. Er sagt: „Während Madame v. La Balliere undMadame v. Montespan sich um den ersten Platz in dem Herzendes Königs stritten, war der ganze Hof mit Liebes-ränken beschäftigt. Selbst Louvois nahm an denselbenAntheil." ')

Wir hinwiederum werden sagen: Während die Denkfrei-heit die Wahrheiten des Glaubens in den Gemüthern ent-kräftete, überließen sich die Herzen ohne Rückhalt ihren Nei-gungen. Beständig spielte man auf den Theatern des Hofesund der Prinzen die Liebeshändel der Götter des Olymp undder Heroen des Alterthums; im Wandel und Leben wurdendie Lehren des Theaters praktisch befolgt. Ebenso machteman es in Rom, Athen und Florenz, in den herrlichen Zeit-altern des Augustus, des Perikles und der Medicäer. DieIntriguen, von denen Voltaire spricht, brachten die schänd-lichen und verderblichen Wirkungen hervor, welche die heftigsteund grausamste aller Leidenschaften von jeher erzeugt hat.„Damals," sagt er, „fing die Giftmischerei an, in Frankreich

dieselbe Sprache. Unter andern äußert sich La Harpe in seinerLobrede auf Voltaire: „Die Künste (wie die Renaissance sielehrt), deren mildes und trostreiches Licht gleichsam die demgrohenTage derVernnnft vorausgehende Morgenrötheist, hatten begonnen, die Sitten durch die Bildung des Verstandeszu mildern. Man bedenke es wohl, es sind noch nichtzweihundert Jahre, daß Europa aus dem Zustandeder Barbarei getreten ist." S. 74. Das Christenthumfindet bei ihnen keine Berücksichtigung. Hierauf fährt er in derLobpreisung seines Helden fort und sagt: „Merops ist ganz vonder antiken Einfalt durchdrungen; Orestes ist ein Meisterwerk desantiken Geschmackes; Clytemnästra bleibt den Verehrern der Altentheuer; in den beiden Brutus erkennen wir die römische Charakter-festigkeit, die republikanische und stoische Strenge, bei Cicerodie Begeisterung für das Vaterland rc." Ebendas. S. 75.

1) 8isels cie Douis XIV-, B. II, S. 162.