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heimisch zu werden. Durch eine eigenthümliche Fata-lität nahm dieses Verbrechen in Frankreich gerade in derZeit des Ruhmes und der Lustbarkeiten, welche die Sittenmilderten, überstand, gleichwie es sich in dem altenRom zu den schönsten Zeiten der Republik ein-nistet e." 2 )
Nach Aufstellung eines langen Verzeichnisses von vor-nehmen und gelehrten Personen, welche wegen dieses Ver-brechens verfolgt worden waren, sagt er weiter: „Die Liebewar die erste Quelle dieser schauderhaften Abenteuer. DiesesVerbrechen nahm so überhand, daß man sich genöthigt sah,ein Gericht ausschließlich für seine Aburtheilung einzusetzen;man nannte dieses Gericht die Gift kämm er (1a Lllsmdroäos poisons)."
Geschmack, Ansicht und Beurtheilung der einfachsten wieder wichtigsten Dinge haben bei Voltaire keine andere Richt-schnur als die Principien seiner klassischen Erziehung. Wirwollen hiefnr noch mehrere Beispiele beibringe». Hinsichtlichder Kanzelberedsamkeit sagt er: „Es wäre vielleicht wün-schenswerth, die Gewohnheit, über einen bestimmten Text zupredigen, ganz zu verbannen. In der That, über eine auseiner bis zwei Zeilen bestehenden Schriftstelle länger zu redenund seine ganze Rede nach dieser Zeile mühsam abzirkeln —eine solche Arbeit dünkt mir der hohen Wichtigkeit diesesAmtes wenig entsprechend. Der Text wird eine Art Wahl-spruch oder Räthsel, welches die Rede nur weiter entwickelt/")
Der moderne Gebrauch, über eine vereinzelte Schriftstellezu predigen, ist bei den Kirchenvätern unbekannt. Zur Zeitder Renaissance aber ward die Advokatenberedsamkeit Cicero'szum Vorbilde der christlichen Rede gewählt. Die Homilieward von den großen Rednern mit Geringschätzung
1) In der That das ist unbefangen.
2) 8ieele äö Tonis XIV., B. II, S. 162. — 3) Ebendas. S. 174.4) Ebendas. S. 175. - 5) Ebendas. S. 308.