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[2. Band.]
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folgerung ergibt sich augenscheinlich: Das Heidenthum istfür die Beglückung der Menschheit und den Frieden der Volkerbesser geeignet, als das Christenthum. Als die Tochter Vol-taire's wird sich die Revolution bestreben, die Orakelsprücheihres Vaters zu verwirklichen.

Inzwischen fordert Voltaire, weil er nicht wie QuintusNautius die Rückkehr zu dem Polytheismus offen zu predigenwagt, die Völker auf, das Joch des Evangeliums abzuwerfenund die natürliche Religion anzunehmen. Dies ist derZweck des Gedichtes über das natürliche Gesetz. DiesesWerk ist nur das Bekenntniß eines vagen Deismus ohne po-sitive Autorität, ohne reellen Einfluß auf das Leben und Zugfür Zug dem der heidnischen Philosophen, Cicero, Virgil,Horaz, allesammt die bewunderten Lehrer Voltaires, ähnlich.Dasselbe ist ein Verfolgungsedikt gegen jede positive Reli-gion, „weil," sagt Condorcet, „in demselben von Religion nurdie Rede ist, um die Unduldsamkeit zu bekämpfen.Dieses Werk, welches man dreißig Jahre später für ein fastreligiöses Buch gehalten hätte, ward auf Befehl des PariserParlaments, welches wegen der Fortschritte der Vernunft zuzittern begann, verbrannt."*)

Nun besteht aber die Religion der Natur oder vielmehrdas von Voltaire gepriesene philosophische Heidenthum nichtnur in der Apotheose der Vernunft, sondern auch in derApotheose des Fleisches. Seine flüchtigen Gedichte,seine Erzählungen, Candide, la Pueelle werden gleich-sam die Schandsäulen des von diesem Oberhaupte der Schrift-gelehrten dem verwerflichsten Sensualismus erwiesenen Cultusbleiben.

Um seinem Worte in dieser Hinsicht noch mehr Nachdruckzu geben, übt Voltaire auch aus, was er lehrt. Sein ganzesLeben ist nur eine lange Anbetung der Venus. Wir werdenunsere Feder nicht durch die fortwährende Reihe von Schand-

1) Leben Voltaire's, B. II, S. 216.