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[2. Band.]
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Sein Werk weiter fortsetzend, strebt auch Voltaire nach demBeispiele aller Dichter der Renaissance, auf dem Theater dasklassische Alterthum in religiöser Hinsicht populär zu machen. Nachden Heroen und Heroinnen treten die Priester und Priesterinnendes Alterthums aus der französischen Bühne auf. „Olympia,"

?. Tournemine aus der Gesellschaft Jesu, hat über Merope nach-stehendes Urtheil gefällt. In einem Briefe an den ?. Brumoy ausderselben Gesellschaft läßt er sich also vernehmen: „Ich sende Ihnen,hochwürdiger Vater, Merope heute Morgen um acht Uhr zurück.Sie wollten sie schon gestern Abend haben. Ich habe mir jedochZeit genommen und sie aufmerksam gelesen. Welchen Erfolg sie auchbei dem schwankenden Geschmack der Stadt Paris erringen mag, sowird sie doch jedenfalls als eine unserer vollendetsten Tragödien aufdie Nachwelt kommen.

„Aristoteles, dieser weise Gesetzgeber des Theaters,hat unter den tragischen Gegenständen diesem den ersten Rangangewiesen. Enripides hatte ihn behandelt, und von Aristoteleserfahren wir, daß, so oft der Cresvhontes des Enripidesauf dem Theater des geistreichen Athen zur Aufführung kam, diesesan die tragischen Meisterwerke gewohnte Volk von einer außerordent-lichen Rührung ergriffen und fortgerissen ward. Wenn der Pa-riser Geschmack nicht mit dem Geschmacke Athens über-einstimmt, so hat Paris ohne allen Zweifel Unrecht.Der Cresphontes des Enripides ist verloren; Hr. ».Voltairegibt ihn uns zurück.

„Sie, mein Vater, die Sie uns den Enripides, ganz so, wieer Griechenland bezauberte, auf Französisch geschildert haben, Siehaben in der Merope unseres berühmten Freundes dieEinfachheit, die Natürlichkeit und das Rührende des Enripides er-kannt. Ich rede hier nicht von der Versbildnng; der Dichter, inder Verfifikation überaus bewandert, hat sich wahrhaft selbst über-treffen. Niemals war die Versbildung schöner und deutlicher.

„Alle, welche von einem vernünftigen Eifer gegen die Sitten-verderbniß beseelt sind, welche die Verbesserung des Theaters wün-schen, Alle, welche wünschen, daß wir als genaue Nachahmerder Griechen, die wir in manchen Vollkommenheiten der drama-tische» Poesie übertroffen haben, mehr Sorgfalt darauf verwenden,ihr wahres Ziel zu erreichen, das Theater zu dem zu machen, was