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[2. Band.]
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sagt Seröseres in seinen Denkwürdigkeiten, „flößte uns Mit-leid und einen wahrhaft rührenden Schrecken ein.

Allein von allen Dolchstichen, die man sich aus der Bühne

gibt, rührt keiner mehr als der Tod der Olympia. Die

Decoration war prachtvoll; der kunstvoll hergerichtete Scheiter-haufen veranlaßte Zähneknirschen; ja es waren wirkliche Flam-men. Der Altar, auf welchem Olympia sich befand, ließ dasganze Schauspiel überblicken. Die Priester und die

Priesterinnen, welche entfernt von ihr in einem Halbkreiseaufgestellt waren, ließen der Fürstin alle Freiheit sich herab-zustürzen. Diese Tragödie brachte eine große Wirkung hervor.

„Die Schriftsteller nahmen ein Stück, welches das Er-habenste und Großartigste des Alterthums schil-

e s sein kann, zu einer Schule der Sittlichkeit*): Alle,welche so vernünftig denken, müssen entzückt sei», einen so großenDichter, einen so beliebten Dichter wie den berühm-ten Voltaire eine Tragödie ohne Liebhaberin geben zu sehen.

„Dies, mein hvchwnrdiger Vater, ist das Gutachten, nm welchesIhr berühmter Freund bittet. Ich habe es in der Eile nie-dergeschrieben; es ist dies ein Beweis meiner Ergebenheit; alleindie väterliche Freundschaft, die ich seit seiner Jugend für ihn em-pfinde, hat mich nicht geblendet. Tournemine, Jesuit."

In Palissot's Ausgabe trägt dieser Brief das Datum des23. December 1738 und die erste Darstellung der Merope dasDatum 1743. Hierbei waltet unserer Anficht nach hinsichtlich desDatums ein Irrthum vor, der berichtet werden müßte.

Nicht ein Vorbehalt zu Gunsten der Religion und der Gesell-schaft! Merope ist ein Kunstgegenstand nach den Vorschriftendes Aristoteles und dem Muster des klassischen Alterthums; diesesStück folglich ein Meisterwerk; ihm die Bewunderung versagen,heißt sich an dem guten Geschmacke versündigen.

') Der berühmte Schauspieler Riccoboni sagte nach einer dreißigjährigenLaufbahn in seinem Berufe; Der einzige Weg. wie das Theater wiedersittlich gemacht werden kann, ist der, es ganz aufzuheben. In Bälde werdenwir auch von I. I. Rousseau hören, daß von allen Lehren, die das Theatergibt, die sittenverderbenden die einzigen sind, welche Erfolg haben.