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[2. Band.]
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Athens und Roms würden ohne die aufgeklärte Protectionder Personen ihres Standes Gothen und Wandalenwerden."

Ist nicht diese Stelle, in welcher sich Voltaire's geheimsterGedanke so unverhohlen ausspricht, der genaueste Inbegriffder Renaissance und der aus ihr entsprungenen Collegbildung?Das Christenthum bei der Civilisation der Welt keiner Be-achtung gewürdigt; Europa ohne Künste, ohne Wissenschaft,ohne Aufklärung und bis zur Renaissance des Heidenthumsin der Wissenschaft in die roheste Unwissenheit versunken, diemodernen Völker nicht den Aposteln, den Kirchenvatern, dengroße» Christen des Mittelalters, sondern zunächst den Griechenund Römern zum Dank verpflichtet; die Nothwendigkeit, inihrer Schule zu verbleiben, sie beständig zu Vorbildern zunehmen, recht eifrig sich mit ihnen zu beschäftigen, wenn wirnicht wieder Gothen und Vandalen werden wollen; VoltaireSchönes und Gutes nur in Athen und Rom erblickend, Alles,was nicht von dort herrührt, im höchsten Grade verachtend;Voltaire gestehend, daß er, obgleich als Christ, in einemchristlichen Lande gebore», von Jesuiten erzogen, keine anderenSitten und Gewohnheiten als die der Griechen kennt —diese seltsame, beklagenswerthe, diese lange Verirrung einestrefflichen Talents hat eine Ursache. Wenn nun aber die Col-legbildung diese Ursache nicht ist, welche ist sie denn?

Voltaire blieb bis zum letzten Athemzuge, was er, wiewir gesehen, in seinem ganzen Leben, seit seinem zwölftenJähre war — eine des Christenthums leere und des Heiden-thums volle Seele. Im Augenblicke seines Hintritts vor Gottantwortet er dem Pfarrer von Saint-Sulpice auf die Frage,ob er an die Gottheit Christi glaube: „Ich glaube, mansollte die Menschen in Frieden sterben lassen."Zugleich versenkt er sich in das heidnische Alterthum. Den Restseiner Kräfte verwendet er aus seine Tragödie Irene und

1) Dedikation des Orestes.