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[2. Band.]
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Demgemäß behauptet Rousseau, die modernen Gesell-schaften hätten kein anderes Mittel für ihre Verjüngung alsdieses, daß sie beständig aus den antiken Quellen schöpften,weil die Tugend, die Lebensbedingung der Nationen, der aus-^ schließliche Antheil der Griechen und Römer ist. „Wenn mandie alte Geschichte liest," sagt er, „so glaubt man sich in eine. andere Welt und unter andere Wesen versetzt. Was habent die Franzosen, die Engländer, die Russen mit den Griechenl und Römern gemein? Beinahe Nichts als die Gestalt. Die'starken Herzen der Letzteren scheinen den Ersteren Ueber-treibungen der Geschichte. Wie können doch sie, die sich soklein fühlen, denken, daß es so große Männer gegebenhabe? Dennoch haben sie existirt und sind Menschen wie wirgewesen. Was aber hält uns ab, Menschen wie sie zu sein?Unsere Vorurtheile, unsere gemeine Philosophie und die Lei-denschaften der kleinlichen Interessen mit dem Egoismus indem Herzen Aller durch thörichte Institutionen verbun-den, welche das Genie nicht dictirt hat."')

Moderne Völker, wollt ihr statt klein, wie ihr seid, großwerden, so werdet nur Griechen und Römer. Euren Bor-urtheilen, eurer gemeinen Philosophie substituirt ihren reinenGlauben, ihre edle Philosophie; ihre weisen Einrichtungentreten an die Stelle eurer thörichten Institutionen!

Rousseau beeilt sich, diese kühne Aufforderung zur Ver-nichtung der durch das Christenthum begründeten socialen Ord-nung zu rechtfertigen. Lykurg und Numa, die BegründerSparta's und Roms, verherrlichend, sagt er: „Alle antikenGesetzgeber suchten die Bürger an einander und an das Vater-land zu knüpfen; solche Bande fanden sie in besonderen Ge-bräuchen, in religiösen Ceremonien, die ihrer Natur gemäßimmer ausschließlich nationale waren, in Spielen, welche dieBürger zu öfteren Zusammenkünften veranlaßten, in körper-lichen Uebungen, die mit der Kraft und der Stärke ihren

1) Von der polnischen Regierung, K. 2.