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[2. Band.]
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daran, ob Alles hienieden schlimm oder gut geht... Findetsich unter den Christen ein einziger herrschsüchtiger, ein Cati«lina zum Beispiel, ein Cromwell, so wird derselbe mit seinenLandslenten ganz sicherlich sehr leichtes Spiel haben. Sobalder durch irgend eine List die Kunst gefunden haben wird, sichder öffentlichen Autorität zu bemächtigen, so wird er ein zurWürde erhobener Mann: Gott will, daß man ihn achte. Baldnachher gelaugt er zur höchsten Macht: Gott will, daß manihm gehorcht. Der Verwahrer dieser Macht mißbraucht dieselbe:dies ist die Ruthe, mit welcher Gott seine Kinder züchtigt.Man würde sich ein Gewissen daraus machen, den Gewalt-räuber zu verjagen." ')

Bei welchem wahrhaft orthodoxen Theologen hat Rousseaudie feierliche Bestätigung der Gewaltherrschaft gefunden? Diekatholische Religion ist die Religion der Freiheit. In jenemschönen und von Rousseau so sehr bewunderten Alterthumwaren drei Viertel des Menschengeschlechtes Sklaven. Werhat ihre Fesseln gesprengt? In der Person der Archonten,der Ephoren und der Cäsaren lastete der härteste Despotis-mus auf der Welt. Wer hat ihn zerstört, indem er denMonarchen den ganz neuen Glaubenssatz predigte, daß ihreGewalt nur eine Hinterlage sei, für welche sie dem gemein-samen Richter der Könige und der Völker eine strenge Rechen-schaft geben müssen? Das Heidenthum brachte, wann eskonnte, die Despoten um's Leben und gerielh aus einer Re-volution in die andere. Das katholische Christenthum thatmehr; es hinderte das Aufkommen von Gewaltherrschern und,ward seine Stimme gehört, so endigte es die Zerwürfnisse ohneBlutvergießen. Selbst wenn es heutzutage einem Despotengelingt, sich der Gewalt zu bemächtigen, so zwingen ihn dochdie das Wesen der christlichen Societäten begründenden Prin-cipien der Freiheit, mit Gerechtigkeit zu regieren, oder seineHerrschaft ist eine nur vorübergehende. „Deßwegen," sagt

1) Abhandlung über den Staatshaushalt, B. IV- K. 26.