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für das Vaterland, die ohne Beachtung der für die Verbrechenund die Tugenden gewöhnlich gültigen Regeln nur auf sichallein hörte und Bürger, Freund, Vater und Wohlthäter nichtberücksichtigte. Die Tugend schien sich zu vergessen,um sich selbst zu übertreffen, und die Handlung, dieman Anfangs, weil sie grausam war, nicht billigen konnte,machte sie als göttlich bewunderungswürdig."
Nicht nur in der politischen Ordnung bewundert Montes-quieu die republikanische Regierung Griechenlands und Roms,sondern auch in Betreff der Sitten, der Tugenden und derbürgerlichen Institutionen. „Die Frauen," sagt er, „haben inden Monarchien wenig Eingezogenheit.... Jeder gebrauchtihre Reize und ihre Leidenschaften, um sein Glück zu machen.In den Republiken sind die Frauen durch die Gesetze frei unddurch die Sitten gefangen; der Luxus bleibt von ihnen ver-bannt und mit ihm auch dieVerderbniß und dieLaster-h a f t i g k e i t.
„In den griechischen Städten macht die Reinheit der Sitteneinen Theil der Tugend aus; in den griechischen Städten, woeine blinde Lasterhaftigkeit auf eine ganz zügellose Weise re-gierte, wo die Liebe nur eine Form hatte, die man nicht an-geben darf, da waren die Tugend, die Einfachheit und dieKeuschheit der Frauen so groß, daß es wohl niemals ein Volkgab, das in dieser Hinsicht eine bessere Polizei hatte."
Sei dem aber, wie da wolle, wie können wir an der Rein-heit der Sitten in einem republikanischen Staate noch zweifeln,in welchem von Montesquieu so sehr bewunderte Institutionenund Gewohnheiten herrschten? „Die Samniter," sagt er,„hatten eine Gewohnheit, die in einer kleinen Republik
1) Größe und Verfall der Nömer.
2) Größe und Verfall der Nömer, B. VII. K. 15. — Montesquieuhat Plutarch's Schrift über die Sitten der lacedämont-schen Frauen und Bodin über die Ehebrecherinnen in denschönen Tagen der römischen Republik vergessen.