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[2. Band.]
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sich eine solche Verirrung bei einem ehrenwerthen Manne an-ders erklären, als durch den blinden Fanatismus, welchen dieErziehung Montesquieu für die Römer eingeflößt hatte, fürdieses Volk, das, wie er sagt, „seine Gesetze mit seinenAbsichten am Besten in Einklang zu bringen wußte?" ')An einer anderen Stelle sagt er: „Ich beharre fest beimeinen Grundsätzen, weil ich die Römer für mich habe."Man wird bei dem Anblicke dieses schönen und auf so betrü-bende Weise verirrten Geistes dennoch zu behaupten fort-fahren, es sei nicht von Nachtheil, die Jugend in der Be-wunderung für das klassische Alterthum heranwachsen zu lassen!

Von Italien geht Montesquieu wieder auf Griechenlandüber und erkärt uns das Geheimniß des unvergleichlichenRuhmes und des Wohlergehens der Republiken Athen undSparta. Indem er auf die Erziehung und die socialen In-stitutionen zu reden kommt, sagt er: „Die alten Griechen,von der Nothwendigkeit durchdrungen, daß die unter einerVolksherrschaft lebenden Völker zur Tugend'') heran-gebildet würden, schufen, um diese anzuregen, eigenthüm-liche Institutionen. Wann ihr im Leben Lykurg's auf die Ge-setze blickt, die er den Lacedämoniern gab, so glaubt ihr dieGeschichte der Scvaramben zu lesen. Die Gesetze Kreta'swaren der Ursprung der von Lacedämonien und jene Plato'swaren deren Verbesserung.

„Ich bitte, daß man die große Umsicht etwas beachte,welche diese Gesetzgeber brauchten, damit man sehe, daß sie,indem sie gegen alle überkommenen Gebräuche verstießen, alleTugenden mit einander verwechselten, der Weltihre ganze Weisheit zeigten. Lykurg, welcher denDieb-stahl mit dem Gerechtigkeitssinne, die härteste Sklaverei mitder übertriebensten Freiheit, die grausamsten Gesinnungen

1) Größe und Verfall der Römer, B. XXIII. K. 22.

2) Ebendas. B. VI. K. 15.

3) Was für eine Tugend!