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[2. Band.]
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Gefühlen, welche ihre Schriften durchglühen." ^)' Das ist,wie wir sehen werden, buchstäblich dasselbe, was Luther that.

„Sein Charakter führte ihn zur Härte; die Tugendstrengeder Lacedämonier entzückte ihn... Er bildete sich einen Geist,einen Charakter und Tugenden, welche vergangenen Jahr-hunderten angehörten, und die leichtfertigen Pariser sahenmit Erstaunen mitten unter sich einen jungen Spartaner auf-treten, der seine Härte im Umgang mit Plato ein wenig ab-geschliffen hatte. 2)

Der junge spartanische Subdiakon affectirt eine seinenGrundsätzen entsprechende Lebensweise. Zurückgezogen in einbescheidenes Zimmer, lebt er allein unter den Alten. Wenner zu seiner Base, Madame de Tencin, kommt, wenn er spricht,wenn er schreibt, so thut er das alles nur, um, ein wahrerSchüler Lykurg's und Plato's, zu behaupten, daß der Reich-thum den Staaten unnütz und ein Gift für die Bürger, daßdie Künste, die Kinder des Luxus, nicht weniger verderblichsind, als ihr Vater, und andere dergleichen Maxime des schönenAlterthums. Von allen Menschen, welche seit Adam bis aufseine Zeit gelebt haben, verehrt er Cato am meisten. DieRegierung, welcher er vollkommene und ausschließliche Be-wunderung zollt, ist die lacedämouische. Aus diesem Grundeerwiedert er, als eine Dame von ausgezeichnetem Geiste denCharakter lobt, den er zur Schau trägt: „Charakter, Madame,kann man in gewissen Ländern keinen haben; allein ich fühle,wäre ich in Sparta geboren, so wäre ich Etwas gewesen."

Seine Meinungen, seine Lebensweise werden ihm zumLobe ausgelegt. „Wenn Mably," sagt Einer seiner Lobredner,„eine eigenthümliche Erscheinung unter uns war, so affectirteer nicht, es zu sein; sein Charakter, sein Geist, seine Denkuugs-weise, seine Tugenden waren nicht die unseres Jahrhunderts;er hatte sich nach Mustern gebildet, die nicht die unsrigen

1) Lrlrarch S. 8. — 2) l^evesHue, S. 5 u. 6. Li-irarä, S. 98.Z) I.evesque, S. 7. — 4) Lriöai'ä, S. 88.