135
sind. In den schönen Tagen Athens hätte er sich unter derMenge ehrenhafter Bürger verloren, weil Alle ihm geglichenhätten; in den schönen Tagen Sparta's wäre er noch wenigerbemerkbar gewesen. Bei uns aber glich er jenen antiken Ge-stalten, deren weise Haltung und ernste Schönheit mit denmanierirten Statuen der Modernen so sehr kontrastiren." ')
Nichts ändert die Ansichten, zu denen er im Colleg denKeim in sich gelegt, und die er durch seine Lectüre ausgebildethat. „Er war so beständig in den Grundsätzen, welche er sichgebildet hatte und welche ein unzertrennlicher Theil seinesSelbst geworden waren, daß er sie ebensowenig aufgebenkonnte, als er sich eines seiner Glieder oder seiner Gesichts-züge zu entäußern vermocht hätte."-)
Nach einem Leben von 76 Jahren und einer mehr alssechzigjährigen, beinahe ausschließlichen Beschäftigung mit denAlten schied der Abbo Mably, der weniger Franzose als Spartaneroder Athenienser war, aus der Welt, um Gott Rechenschaft abzu-legen über dieses kirchliche Leben, das er angewandt hatte, umstets und immer wieder unter allen Formen Vergleichungenanzustellen zwischen den Griechen und Römern einerseits, undden Völkern der Neuzeit andererseits; um die Ueberlegenheitder Ersteren über die Letztere» darzuthnn, und so, ohne esselbst zu wissen, einige der furchtbarsten Waffen zu schmieden,welche die Revolution zur Zerstörung der Religion und derMonarchie geführt hat.
Nach Einem seiner Biographen war sein Tod seines Le-bens würdig. Er erzählt hierüber nachstehende Details: „Inseinen letzten Augenblicken besaß er die Festigkeit eines So-krates und zeigte nicht die Charlatanerie unserer modernenErdenpilger, welche noch auf dem Todesbette ihre Markt-schreierbude aufschlagen.... Mably hörte auf zu leben mitder Ruhe, welche der Rückblick auf ein tadelloses Leben ge-
1) I,sve8que. S. 8.
2) Ders. S. 19.