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[2. Band.]
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wendiger Weift verschieden sind; empfinden heißt Mensch sein,gut empfinden heißt Philosoph sein; sich so benehmen, daßman nie einem Andern unangenehme Empfindungen bereitet,ist das Merkmal des rechtschaffenen Menschen und das Kri-terium der Tugend." *) Das ist die Philosophie d'Alembert's,oder vielmehr Locke's und der übrigen Sensualisten, der Schü-ler des Lyceums und des Porticus.

Zwischen der Philosophie und der Religion besteht voll-kommene Trennung. D'Alembert schließt von den Elementender Philosophie nicht nur die geoffenbarte, sondern auchdie natürliche Religion aus. Er bedarf weder der einen,noch der andern. Ohne sie kann er, Dank dem Gefühl, eineMetaphysik, eine Logik und selbst eine vollständige Moral be-gründen.

„Die Moral," sagt er, „ist eine nothwendige Folge derEinrichtung der Gesellschaften... Rein menschlichen Motivenverdanken die Gesellschaften ihre Entstehung; die Religion hatdurchaus keinen Antheil an ihrer ersten Bildung....

„Durch die Sinne lernen wir, was unsere Beziehungenzu den andern Menschen und unsere wechselseitigen Bedürf-nisse find; und Durch diese wechselseitigen Bedürfnisse gelangenwir zu der Kenntniß dessen, was wir der Gesellschaft schulden,und was diese uns schuldet. Es scheint also, daß man dasUnrecht, oder, was auf dasselbe hinausläuft, das moralischSchlechte sehr genau also definiren kann: Es ist das, wasder Gesellschaft zu schaden strebt, indem es dasphysische Wohlsein ihrer Glieder stört."

. Das Opfer unseres physischen Wohlbefindens, das wirden physischen Bedürfnissen unseres Gleichen bringen, ist derHeroismus der Tugend. „Dieses Opfer besteht nicht in derNatur," sagt d'Alembert, „sondern es besteht in der aufge-klärten Liebe unseres eigenen Glückes, das in dem Frieden

1) Visa. prelim. Thl. I. S. 45- 50. - 2) Ebendas. S. 78.

3) Ebendas. S. 79, 80, 81.