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[2. Band.]
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größte Uebel; und wenn ihre Principien nicht gänzlich aufden Ruin der öffentlichen Wohlfahrt hinzielen, und ihre Grund«sähe sich mit den Gesetzen und dem allgemeinen Vortheil ver-einen lassen, so ist sie noch die am Wenigsten schlechtevon allen. Solcher Art war die heidnische Re-ligion.

„Nie gab es ein Hinderniß, das sie den Absichten einespatriotischen Gesetzgebers bereitet hätte. Sie war ohne Dogma,folglich menschlich und tolerant. ') Kein Streit, kein Kriegzwischen ihren Anhängern, dem die geringste Aufmerksamkeitder Obrigkeit nicht hätte vorbeugen können. Ihr Cultus er-forderte auf der anderen Seite keine große Zahl von Priestern,er fiel nicht nothwendig dem Staate zur Last.

„Die Haus- und Familiengötter genügten für die täglicheVerehrung der Einzelnen; einige Tempel in den großen Städten,einige Priestercollegien, einige pomphafte Feste für den natio-nalen Gottesdienst. Diese Feste, welche zu den Zeiten gefeiertwurden, wo das Ruhen der Feldarbeiten den Landleuten er-laubte, sich in die Städte zu begeben, wurden für sie zu Freu-dentagen. Und so glänzend sie auch waren, so waren sie dochselten und darum wenig kostspielig. Die heidnische Re-ligion besaß also wesentlich keinen der Uebel-stände des Papismus.

„Diese Religion war anderseits die am Meisten denMenschen entsprechende, die geeignetste, jene starkenEindrücke hervorzubringen, welche der Gesetzgeber zuweilennothwendig in ihnen hervorrufen muß.

„Die Götter und Göttinen lebten in Gemeinschaft mitden Menschen, nahmen Theil an ihren Festen, ihren Kriegen,ihren Liebschaften. Neptun kam zum Souper zum König vonAethiopien. Die Schönen und Helden setzten sich zu denGöttern: Latona besaß ihre Altäre, der zum Gott gewordene

1) Beweis dessen sind die Verfolgungen von Nero bis auf Diokletian.